TU München : Exzellenzuni zeigt Herz für Lehrer

Wenn an der Technischen Universität München die neuen Lehramtsstudenten im Oktober ihr Studium beginnen, werden sie erstmals an ihrer eigenen Fakultät begrüßt.

Frank van Bebber
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Neue Ära. Gründungsdekan der "School of Education" an der TU München wird Pisa-Forscher Manfred Prenzel. -Foto: Promo

Was für angehende Chemiker, Mediziner und Ingenieure nach Alltag klingt, ist für künftige Lehrer ein großer und bundesweit beachteter Schritt. „Wir wollen den Studierenden eine Heimat geben und ihnen zeigen, dass sie eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Manfred Prenzel, Gründungsdekan der „School of Education“ an der TU.

Für die deutsche Lehrerausbildung ist der Schritt der TU nicht weniger als eine Zeitenwende. Bislang werden Lehramtsstudenten quer über die Fachwissenschaften verstreut und spielen dort oft nur eine Nebenrolle. Zwar gibt es für sie an Universitäten rund 50 sogenannte Lehrerbildungszentren. Doch die Koordinationsstellen gehören mal zur Verwaltung, mal sind sie zentrale Einrichtungen. Ansehen in der Forschung oder Einfluss in akademischen Gremien haben sie nicht.

An der TU München arbeitet die Lehrerbildung künftig auf Augenhöhe mit allen anderen zwölf Fakultäten. Dafür steht nicht zuletzt Gründungsdekan Prenzel, dessen Name eng mit der Pisa-Studie verbunden ist und der zuvor geschäftsführender Direktor des Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaft (IPN) in Kiel war. „Die Lehrerbildung wird nur dann Gewicht bekommen, wenn sie sich als forschungs- und lehrstark zeigt“, erklärt er. An Größe mangelt es in München nicht: An der TU gibt es etwa 1500 Studenten, die später als Lehrer an Berufsschulen oder Gymnasien unterrichten wollen. Rund 20 Professuren wird die neue Fakultät umfassen. Zieht man einige locker angegliederte Professoren wie den Direktor des Deutschen Museums ab, bleiben rund 15, die sich im engeren Sinne mit Bildungsforschung und Unterricht beschäftigen. Drei werden aus Stiftungsmitteln finanziert. Die Deutsche-Telekom-Stiftung gibt 1,5 Millionen Euro für eine Verzahnung mit der Praxis.

Vor allem aber hat die neue Fakultät die Hoheit über alle Ressourcen zur Lehrerbildung. Die Fachwissenschaften müssen ihr belegen, dass sie jene Stellen, die sie ihren Lehramtsstudenten verdanken, auch für diese einsetzen und nicht für andere Dinge. Dennoch berichtet Prenzel von einer guten Zusammenarbeit mit den Fächern. Ein enger Kontakt ist wichtig, weil die Lehre in Mathematik oder Chemie weiter in den Fachwissenschaften erfolgt. Studenten sollen zudem nach dem Bachelor noch vom Lehrer- in das reine Fachstudium wechseln können.

In der Alltagsarbeit will Prenzel nicht alles umkrempeln, sondern an jenen starken Praxisbezug anknüpfen, den ein großen Netz von weit über 100 Partner- und Referenzschulen sicherstellt. „Es ist keine Revolution, die wir hier machen, sondern eine Verbesserung“, bremst er. Doch die Hochschulrektorenkonferenz lobt die neue Fakultät als „bemerkenswertes und beispielhaftes Bekenntnis“ zur Lehrerbildung. Andere Universitäten haben angefragt, wie so ein Modell funktioniert. Auch Prenzel spricht von einem wichtigen Signal. „Gerade bei der Exzellenzkonkurrenz ist oft die Lehrerbildung noch mehr in den Hintergrund geraten“, beklagt der Bildungsforscher. „Die TU zeigt, dass man Exzellenz auch mit guter Lehrerbildung verbinden kann.“

In Berlin haben sich die Unileitungen gegen eigene Lehrerfakultäten bislang gewehrt: Damit würde die einst abgeschaffte Pädagogische Hochschule wiederauferstehen. Frank van Bebber

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