TURNERS Thesen : Bachelor of Driving

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Die Wirtschaftsminister der Länder haben sich für die Einführung eines international vergleichbaren Abschlusses für Meister und Techniker ausgesprochen: den „Bachelor Professional“. Protest kommt von den Hochschulen, den Arbeitgeberverbänden und dem Verein Deutscher Ingenieure. Während aber diese Organisationen nur ein klares Nein zum Ausdruck bringen, fehlt es bisher an konstruktiven Ideen, wie man der Titelarmut flächendeckend und dauerhaft begegnen kann. Der Ansatz sollte nicht in der Qualifikation, sondern im Alter, eventuell in einer Art Gratifikation gesehen werden.

Wir beklagen einen Rückgang von Taufen und Konfirmationen bei den Protestanten; nicht ganz so dramatisch ist es bei den katholischen Gläubigen. Interessanter und attraktiver könnten solche Ereignisse, abgesehen von den Anreizen durch vermehrte Geschenke, werden, wenn ein Titel dabei herausspränge. Warum nicht der „Bachelor Christenal“ bzw. „Confirmal“. Wenn schon die Begriffe Meister und Techniker nicht mehr angemessen erscheinen, sollte das doch auch für Abitur und Führerschein gelten. „Bachelor of School-Leaving“ und „Bachelor of Driving“ könnten adäquater Ersatz sein. Schwierigkeiten bereiten noch Zwischenstationen wie der Gesellenbrief und das Diplom für Kosmetikerinnen. Der „Bachelor Apprenticional“ und der „Bachelor Beauticional“ bieten sich an. Außer Acht geblieben sind noch angemessene Bezeichnungen für sportliche Leistungen. Hier kann man aus dem Vollen schöpfen: „Bachelor of Soccer“, „Bachelor of Runnig“, usw. usw. Wegen der hohen Anforderungen auf dem Gebiet der Chemie gibt es für das Doping keinen Bachelor-Abschluss; vielmehr ist hier nur der Master möglich.

Fehlende Nachfrage ist der Grund für den Verzicht auf eine englischsprachige Bezeichnung im Fach Ethics in Business. Persönlichkeiten besonderen Zuschnitts in der Automobilindustrie und der Telekommunikation können mit dem deutschen Diplom-Raffke ehrenhalber (Dipl.-Raff e. h.) ausgezeichnet werden. Ein unbestelltes Feld ist auch der Bereich der Tätigkeiten ohne förmlichen Abschluss, soweit die Betroffenen nicht Abgeordnete in den Parlamenten sind. „Bachelor Unprofessional“? Oder vielleicht, je nach vorübergehender Tätigkeit, „Bachelor Protestional“ (eventuell mit Herkunftsort: Heiligendamm?) oder gelegentlich sogar „Bachelor of Terrorism“?

Und weil das alles viel zu kompliziert ist, sollte es einen einheitlichen Titel mit der Geburtsurkunde geben: „Bachelor universalis“. Angesichts des Weitblicks der Wirtschaftsminister fällt einem da wirklich nichts anderes mehr ein.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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