TURNERS Thesen : Bildung braucht gute Vorsätze

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Im Neuen Jahr soll alles anders, besser werden. Das gilt selbstverständlich auch für den Bereich der Bildungspolitik, für Kita, Schule, Berufsausbildung und Hochschulen. Wenn es doch nur in jedem Sektor wenigstens mit einem Vorhaben klappen würde.

So gern es vernünftigen Eltern überlassen werden sollte, staatliche Hilfen direkt zu beziehen: Die Minderheit Unvernünftiger muss gehindert werden, Unterstützung für ihren Nachwuchs sachwidrig einzusetzen. Also: institutionelle Förderung. Auch wenn Deutschland bei Pisa im Mittelfeld gelandet ist – der Unterschied zwischen den Bundesländern ist beachtlich. Der Eiertanz um Föderalismus und Kooperationsverbot von Bund und Ländern gehört in die Mottenkiste. Also mehr Einheitlichkeit, und zwar auf dem höheren Niveau.

Das Stiefkind der Bildungspolitik ist das Berufsschulwesen. Auch wenn die Quote der Studienanfänger pro Jahrgang bei 46 Prozent liegt, die Mehrzahl steuert eine Ausbildung im dualen System an. Dabei ist ein Teil nicht ausbildungsfähig. Ihnen auf einem niedrigeren Niveau eine Chance zu geben, ist nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen und politischen Vernunft. Andernfalls landen sie perspektivlos in der Arbeitslosigkeit oder vor den Schranken der Gerichte. Beides ist teurer als aufwendige Anstrengungen beim Start.

In der Hochschulpolitik ächzt und kracht es an allen Ecken und Enden: Bachelor als Regelabschluss, Zugang zum Master (Quote oder Note), Zwei-Klassen-Universitäten als Folge des Exzellenzwettbewerbs, und alles bei Finanzknappheit.

Seit über 40 Jahren wird an den Universitäten herumreformiert. Jede neue Landesregierung nimmt sich als Erstes nach einer Wahl das Hochschulgesetz zur Brust. Zufriedenheit wird und kann nicht herrschen, weil es keinen Konsens über das gibt, was Universitäten sollen: Die Studierenden zu mündigen Staatsbürgern erziehen? Spielwiesen für berufslose, angehende Politiker sein? Oder vielleicht doch nur Forschung und Lehre unter optimalem Mitteleinsatz betreiben? Wie wäre es, wenn man es mal mit dem Letzteren versuchte. Über Jahrhunderte hat das zum hohen Ansehen der deutschen Universitäten beigetragen. Das wird man von den ständigen Reformen der letzten Jahrzehnte nicht sagen können. Also: Die Universitäten einfach mal in Ruhe lassen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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