TURNERS Thesen : Den Masterzugangnicht zu weit öffnen

Landesweit gibt es Klagen über Engpässe beim Zugang zum Masterstudium. Die einen fordern einen schrankenlosen Zugang, die anderen beklagen das intransparente Zulassungssystem. Offenbar streben unerwartet viele Kandidaten ein weiterführendes Studium an, um die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dabei erwecken Bewerber den Eindruck, dass die erworbene Qualifikation nicht viel wert sei, dass der Bachelor eben nur eine Art Trostpflaster ist, mit dem die Masse abgespeist werden soll.

Das ist ebenso falsch, wie es den Absichten bei der Einführung gestufter Hochschulabschlüsse zuwiderläuft. Einer der Gründe für die Änderung des Ausbildungssystems waren die zu langen Studienzeiten und das hohe Alter der Absolventen. Es war aber auch die Erkenntnis, dass das überkommene Ausbildungssystem nicht geeignet war, die großen Zahlen von Studierenden zu bewältigen. Ein hoher Anteil von Abbrechern und im Examen Gescheiterten war die Folge.

Das wird von jenen, die derzeitig vor der Hürde der Zulassung zum Master stehen, nicht gesehen oder verdrängt. Dabei ziehen sie Parallelen zu den Jahrgängen, als fünf bis zehn Prozent der jungen Menschen studierten; heute sind es um die 35 Prozent. Zu diesen zu gehören, ist nicht nur das Ergebnis einer erfolgreichen Bildungspolitik, sondern auch ein Privileg, das frühere Generationen nicht hatten. Sie können nicht nach dem gleichen Ausbildungsmuster studieren wie kleinere Kohorten. Sie haben auch nicht alle die gleichen Berufschancen, wie Generationen mit kleineren Anteilen von Studierenden es zu früheren Zeiten hatten. Hier haben Betroffene zu oft einen versperrten Blick.

Nun soll man niemandem in seinem Drang nach mehr Bildung bremsen. Aber es muss doch realisiert werden, dass der erste Abschluss die Regel bildet und beim Zugang zu einem weiterführenden Studium die Schleusen nicht weit geöffnet sein können. Dass das Verfahren der Zulassung fair und transparent sein muss, sollte keiner Erwähnung bedürfen; dass nicht Quoten, sondern die Befähigung der Bewerber entscheidend sein sollten, dürfte auch außer Frage stehen. Ungewichtete Noten sind dafür gewiss keine Garantie, wie es auch nicht einzusehen ist, dass die Hochschulen nicht eigene Standards aufstellen dürfen. Es wird höchste Zeit, dass sie selbst hier Klarheit schaffen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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