TURNERS Thesen : Den Zugang zum Master erschweren

Kolumnist George Turner.
Kolumnist George Turner.Foto: Mike Wolff

Zukünftig wird es zu wenige Studienplätze für Bewerber zum Master geben, besagt eine Prognose des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Viele Bachelor-Absolventen streben die weitere Qualifikation an, um ihre Berufschancen zu verbessern. Deshalb müssten mehr Plätze geschaffen werden.

Das lässt außer Acht, warum das zweistufige Studiensystem eingeführt wurde: Die durchschnittliche Studiendauer betrug 14 Semester, das Alter der Absolventen 28 Jahre, die Abbrecherquote und die Zahl der im Examen Gescheiterten war zu hoch. Eine Reform sollte Abhilfe schaffen. Für die Bewältigung der großen Zahlen – um das Jahr 2000 studierten bereits zwei Millionen – übernahm man das gestufte, weltweit bewährte System von Bachelor und Master.

Dabei war unstrittig, dass der Zugang zum Master nicht schrankenlos sein könne. Zum einen schien es aus finanziellen Gründen ausgeschlossen, entsprechend viele Studienplätze bereitzustellen, zum anderen wollte man mit dem Bachelor, einem Abschluss mit geringeren Anforderungen im Vergleich zum Diplom, die Zahl der Aussteiger verringern.

Bei der Umsetzung sind Fehler gemacht worden. So wurde häufig nicht ein neues Studienkonzept, ausgerichtet auf die zeitliche Vorgabe von sechs Semestern entworfen, sondern einfach der Stoff von zwei Semestern „abgeschnitten“. Damit war das Studium nicht mehr in sich geschlossen und gab Anlass zu Klagen, nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Arbeitgebern, über die in der Praxis nicht einsatzfähigen Absolventen.

Dem standen positive Aussagen von Unternehmen und anderer einstellender Einrichtungen gegenüber. Offenbar kamen Absolventen von Hochschulen, die ihre Aufgabe, die neuen Studiengänge nach Maßgabe der zeitlichen Vorgabe zu entwickeln, besser erfüllt hatten. Das zeigt, dass dies durchaus möglich und in der Regel auch gelungen ist.

Wenn jetzt mehr Plätze für Master-Studierende gefordert werden, damit alle, die es möchten, auch zugelassen werden, führt man die Reform ad absurdum. Mit dem Bachelor sollte der Regel-Abschluss des Studiums erreicht werden. Der Zugang zu einem weiterführenden Studium sollte von der Qualifikation der Bewerber abhängig sein. Verzichtet man auf eine entsprechende Hürde und lässt alle Aspiranten zu, kommt es erneut zu der Situation, die Anlass für die Reform war: zu viele, nicht geeignete Studierende, die zu lange Zeit in den Hochschulen verbringen und beim Berufseintritt im Vergleich zu Kommilitonen im Ausland zu alt sind oder im Studium scheitern. Müssen alle Fehler zwei Mal gemacht werden?

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben