TURNERS Thesen : Die Energie der "Universities“

Wissenschaftssenator a. D., George Turner, macht sich Gedanken über die geplante "Energie"-Universität und fragt sich, wann der Begriff "University" endlich Einzug in das weitere alltägliche Leben hält.

George Turner[Wissenschaftssenator a. D.]

Wieder mal soll eine private Universität gegründet werden, diesmal eine „Energie“-Universität. Dabei geht es nicht nur darum, wie solide ein Vorhaben ist, dessen Finanzierung noch nicht gesichert ist, sondern um Namen und Kategorie.

Mit dem Begriff „Universität“ soll gepunktet werden. Man möchte den Eindruck vermitteln, es handle sich um ein Forschungsinstitut auf hohem akademischen Niveau. Die Wirklichkeit ist oft ernüchternd, wenn ehrgeizige Ziele einer Branche oder womöglich sogar nur eines Konzerns dahinterstehen. So ist die von Volkswagen hochgejubelte „Auto-Uni“ sehr schnell mit Karacho an die Wand gefahren, als das Geld knapp wurde. Wenigstens blieb man damit im Bild der hauseigenen Crash-Versuche.

Welche Blüten das Streben nach möglichst hochtrabenden Bezeichnungen treibt, beweisen die Berufsakademien. Ursprünglich als Alternativen zum akademischen Studium gegründet, nennen sie sich inzwischen „Universities of cooperative education“. Da wollte man nicht hinter den Fachhochschulen zurückstehen (Universities of applied sciences).

Wann hält der Begriff University endlich Einzug in das weitere tägliche Leben? Anregungen gefällig? Die Wirtschaftsminister der Länder haben sich für die Einführung des international vergleichbaren Abschlusses „Bachelor Professional“ für Meister und Techniker ausgesprochen. Folgerichtig sollten die Lehrwerkstätten „Universities of handling“ heißen. Fahrschulen könnten mit der Bezeichnung „University of driving“ ihr Image aufpolieren, Kosmetiksalons würden mit „Beauty-University“ in andere Sphären vorstoßen und Sportstudios oder Mucki-Buden, wie in einschlägigen Kreisen genannt, würden als „University of Bodybuilding“ mit Blick auf Arnold Schwarzenegger zugleich die Karriere als Politiker möglich erscheinen lassen. Damit es nicht zu Diskriminierungen von Randgruppen kommt, empfiehlt es sich, für Altersheime die Bezeichnung „Oldie-University“ und für Kindergärten „Kids-University“ einzuführen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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