Turners Thesen : Die Superuni – ein Rätsel

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Berlin Eine Berliner Superuniversität soll es geben – nicht wirklich, wohl eher virtuell, aber doch mit eigener Adresse, als Bündelung von Exzellenz. Nichts Genaues weiß man nicht. Grundsätzlich ist alles zu begrüßen, was die Wissenschaft in Berlin stärkt und sie ins rechte Licht rückt. Ob es neuer Konstruktionen bedarf, erweckt Zweifel.

Zum einen läuft der zwar umstrittene, aber nicht aufzuhaltende Exzellenzwettbewerb der Universitäten mit der Verkündung einer Entscheidung am 19. Oktober. Ob es den Berliner Endrundenteilnehmern, der Freien Universität und der Humboldt-Universität, nützt, wenn über neue Organisationsformen nachgedacht wird, ist fraglich. Das wäre nur anders, wenn es einen heißen Tipp gäbe, dass Berlin sich etwas einfallen lassen müsste, um seine Aussichten zu verbessern – oder wenn Berlin keine Chance hätte und auf eigene Faust (und Kosten) das Profil zu schärfen hätte. Ob das eine oder andere der Fall ist, verrät der Kaffeesatz.

Zum anderen bringt jede organisatorische Veränderung Unruhe und lenkt von der eigentlichen Arbeit ab, von Lehre und Forschung. Gleichgültig, ob nur an eine virtuelle Zusammenfassung besonders herausragender Fächer und ihrer Vertreter gedacht ist oder an eine reale Zusammenführung – für Zündstoff ist gesorgt. Wer gehört dazu? Wer befindet darüber? Was geschieht mit dem „Rest“?

Wichtig und zu unterstützen ist, dass zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtungen dort eine enge Zusammenarbeit erfolgen sollte, wo es dem wissenschaftlichen Fortschritt und der Erkennbarkeit von außen dient. Dass dies auch erfolgreich praktiziert wird, beweist nicht zuletzt der laufende Elitewettbewerb. Manch ein Forschungscluster und etliche Graduiertenschulen verdanken ihre positive Bewertung der Zusammenarbeit mit Einrichtungen außerhalb der Universitäten. Aber muss man deshalb nach neuen Formen der Organisation suchen? Reibungsverluste und Kollateralschäden sind dabei gewiss. Das lohnt nur, wenn eine Radikalkur erfolgen soll: Die herausragenden Bereiche werden zu einer University of Berlin zusammengefasst; der „Rest“, und das wird die Mehrheit der Bestände sein, bleibt zwar „Universität“, wird von den Aufgaben aber „downgegraded“. Die Fachhochschulen bekämen Zuwachs.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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