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Turners Thesen : Ein Bildungskanon für alle

31.12.2012 00:00 Uhrvon
Kolumnist George Turner.Bild vergrößern
Kolumnist George Turner. - Foto: Mike Wolff

Die Teilhabe an Bildung wird zu Recht als Chance für Angehörige „bildungsferner“ Schichten gesehen, Nachteile gesellschaftlicher und materieller Art auszugleichen. Über das, was „Bildung“ ausmacht, kann man trefflich streiten.

Aber auch wenn man sie nur auf „Bildungsstandards“ beschränkt, wird deutlich, wo der Schule Grenzen gesetzt sind. Nimmt man als Maßstab das Werk von Schwanitz „Alles, was man wissen muss“, und misst daran, was der durchschnittliche Abiturient weiß, so liegen dazwischen Welten, von Abgängern anderer Schularten gar nicht zu reden.

Ganz gleich, ob Literatur, Kunst oder Musik – manche Namen von Werken oder deren Schöpfer haben selbst Inhaber der Hochschulreife noch nie gehört. Das ist eine Folge dessen, dass Kunst und Musik nicht durchgängig angeboten oder gewählt werden. Auch die Rolle von Religion als „Bildungsfach“ wird verkannt.

Wenn es um die abendländische Kultur, um ein Mindestmaß an Wissen geht, das man von der Geschichte des eigenen Landes und von den geistigen Strömungen kennen muss, um auch Aktuelles richtig einordnen zu können, tut sich eine Kluft auf. An darüber Hinausgehendes ist gar nicht zu denken. Das reine Schulwissen hat nie ausgereicht, als „gebildet“ zu gelten. Aber es war die Basis, auf der sich durch Besuche von Theater, Konzerten, Museen und Lektüre das entwickeln konnte, was man darunter versteht.

Die Anregungen kamen und kommen vor allem aus dem Elternhaus und von Lehrern mit einem entsprechenden Verständnis. Fehlt das, bleibt ein Unterschied zwischen denen, die solche Vorzüge genießen und anderen, die weniger begünstigt sind.

Es dürfte schon als Gewinn angesehen werden, wenn wenigstens der Wissensstand nicht allzu unterschiedlich wäre. Das ist zu erreichen, wenn beispielsweise im Fach Deutsch einigermaßen einheitlich vorgegeben wird, was man gelesen haben und was man aus der Literaturgeschichte wissen muss. Ähnliches gilt für das Fach Geschichte. Kunst und Musik sollten möglichst lange als Pflichtfächer erhalten bleiben.

Beim Trend zur Ganztagsschule und den dadurch verfügbaren zeitlichen Kapazitäten müsste das möglich sein. Andernfalls wird die kulturelle Verarmung und die Spaltung der Gesellschaft in „Bildungsbürger“ neuer Art und anderen noch größer. Eine Bildungspolitik, die das nicht begreift, hat den Namen nicht verdient.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t- online.de

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