TURNERS Thesen : Eine breite Spitze fördern

Der Wissenschaftsrat hat mit der Vorlage der „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ klammheimlich Abschied von den Zukunftskonzepten genommen, die entscheidend für die Auswahl von elf Exzellenz-Universitäten waren. Zuvor war dies in einem Entwurf deutlich ausgesprochen: Eine Hierarchisierung der Hochschulen sei unerlässlich. Neben zwei bis fünf Spitzenuniversitäten sollten 20 bis 25 forschungsstarke Institutionen das Bild bestimmen. Daneben müsse die Mehrheit vorrangig Lehraufgaben wahrnehmen, um die anstehenden geburtenstarken Jahrgänge zu bedienen.

Mit einer solchen Richtungsänderung hätte der Wissenschaftsrat eine von ihm in den 1960er Jahren begangene Fehlsteuerung korrigiert. Indem die Universitäten und nicht die Fachhochschulen massiv ausgebaut worden sind, hat man die Weichen falsch gestellt. Das Verhältnis der Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen ist zwei Drittel zu einem Drittel. Umgekehrt wäre es besser.

Je mehr es zur Angleichung von Fachhochschulen und Universitäten kommt, desto deutlicher werden klassische, bekannte Universitäten versuchen, sich abzusondern. Bei den Technischen Universitäten geschah das bereits 2005 mit der Gründung von „TU 9 German Institutes of Technology“. Auch 15 große forschungsorientierte und medizinführende Universitäten werden künftig ihre Interessen gemeinsam vertreten. Zu „U 15“ gehört die Mehrheit der Exzellenz-Universitäten.

Es wäre immerhin eine gewisse Begradigung der aus der dritten Förderstufe der Exzellenzinitiative (Zukunftskonzepte) gezogenen falschen Schlussfolgerung, wenn nicht (nur) die elf auserkorenen „Elite-Universitäten“ als erste Garnitur verstanden würden.

Auch wenn TU 9 und U 15 nicht das letzte Wort sind und es zu Korrekturen kommt, so verdeutlichen die neuen Orientierungen den Trend. Es wird einen Kreis von Universitäten geben, die in der ersten Liga spielen und einen großen „Rest“. Die qualitativen Unterschiede zwischen diesem Gros der Universitäten und den Fachhochschulen werden zunehmend weniger interessieren. Zusammen werden sie vornehmlich Ausbildungsstätten, zu denen sich im Zuge der Akademisierung Ausbildungsgänge gesellen, die bisher im dualen System angesiedelt waren. Dann werden Forschungsuniversitäten und der „Rest“ im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln stehen.

Doch dem Wissenschaftsrat ist inzwischen wohl der Mut abhanden gekommen, die fällige Reparatur des Hochschulsystems zu empfehlen. Die Realität läuft ihm davon.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

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