TURNERS Thesen : Eliteunis sind nur für die Besten

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Es ist entschieden: Neben den bereits Erwählten (den beiden Münchner Universitäten und Karlsruhe) dürfen sich sechs weitere Hochschulen mit dem Titel Spitzenuniversität schmücken. Aus Berlin die Freie Universität, dazu Freiburg, Konstanz, Heidelberg, Aachen und Göttingen. Abgesehen von grundsätzlichen Bedenken gegen das Verfahren, gibt es eine Reihe von Merkmalen, die neben den fachlichen erfüllt sein sollten, damit der Begriff Eliteuniversität passt.

Das ist zum einen der Lehrkörper. Es sollten dort nur die Besten ihres Fachs versammelt sein. Ob unter solchen Aspekten an den Universitäten, die das Rennen gemacht haben, in der Vergangenheit stets berufen worden ist, mag man bestenfalls unterstellen. Auf jeden Fall befinden sich dort nicht nur die leistungsstärksten Studierenden. Solange die Fakultäten nicht sämtliche Bewerber nach von ihnen gesetzten Maßstäben auswählen und eine Zulassung notfalls per Gericht erstritten werden kann, wird die Studierfähigkeit unterschiedlich sein.

Daneben gibt es weitere Elemente, die insbesondere beim Vergleich mit den Spitzeneinrichtungen in den USA auffallen. Das ist zum einen der Gesamteindruck, was Ordnung und Sauberkeit angeht. Wenn Schmierereien und Müll als tolerierbare Zeichen von Subkultur verstanden werden, fehlt wohl doch ein Grundverständnis. Solche Nachwehen eines Geistes, der den sogenannten 68ern zugeschrieben wird, sind an manchen Orten immer noch zu besichtigen. Gewiss kann man der Haltung etwas abgewinnen, dass bestimmte „alte Zöpfe“ abgeschnitten werden mussten. Darunter versteht man Äußerlichkeiten wie Kleidung, Umgangsformen usw. Soweit verstaubte Regeln einer gewissen Lässigkeit Platz gemacht haben, mag man das begrüßen; zu oft aber begegnet man statt Lässigkeit purer Nachlässigkeit. Das tritt in Erscheinung im Außerachtlassen zivilisierter Umgangs- und Verhaltensweisen, nicht selten Folge mangelnder Erziehung.

Es muss in der Universität nicht so zugehen wie auf dem Kasernenhof, aber es kann auch nicht so sein, dass jeder macht, was er will. Zum Teil gab es negative und dümmliche Äußerungen der offiziellen Vertretung der Studierenden der im Wettbewerb befindlicher Einrichtungen. Sie haben nicht erkannt, dass auch eine corporate identity und das Bekenntnis der Mitglieder zu „ihrer“ Universität zu dem gehören, was eine Eliteeinrichtung ausmacht. Elite fordert mehr als Forschungscluster und Graduiertenschulen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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