TURNERS Thesen : Europas sinnloses Eliteinstitut

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Neben der Debatte um deutsche Spitzenuniversitäten gibt es eine solche um ein europäisches Eliteinstitut: das European Institute of Technology (EIT). Ende März haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs dafür ausgesprochen, eine solche Einrichtung zu realisieren. Die EU-Kommission sollte bis Juni einen Vorschlag unterbreiten. Dabei war offen, ob das geplante Institut einen eigenen Standort bekommt oder als Netzwerk aufgebaut wird. Die Entscheidung ist zugunsten eines Netzwerks gefallen. Das bedeutet: Das Dach des Instituts wird virtuell sein, der eigentliche „Bau“ besteht aus „Knowledge Communities“, zu denen sich Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen zusammenschließen können. Damit ist der ursprüngliche Plan, eine EU-Universität „auf der grünen Wiese“ zu gründen, vom Tisch. Das war genauso unrealistisch wie seinerzeit das Vorhaben von Bundesministerin Edelgard Bulmahn, eine deutsche Eliteuniversität zu gründen.

Aber auch das, was jetzt übrig geblieben ist, mutet überflüssig und allein politisch motiviert an und hat bestenfalls Symbolcharakter. Das EIT soll langfristige Projekte fördern, etwa auf den Gebieten Medizin- und Kommunikationstechnologie, Klima und Energie. Das ist wünschenswert, geht aber auch anders. Es gibt bereits die Möglichkeit, über die Förderung aus EU-Mitteln grenzüberschreitende Vorhaben mehrerer Einrichtungen, also auch Universitäten und Unternehmen, zu finanzieren. Ebenso existieren auch internationale Institutionen wie der Europäische Forschungsrat, die entsprechende Aufgaben anstoßen können. Anstatt eine neue Bürokratie aufzubauen mit einem Verwaltungsrat, für den eine Findungskommission Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft vorschlagen soll, wäre es besser, vorhandene Wege zu begehen.

Es ist das alte Lied: Eine neue Organisation bindet zunächst Kräfte, die eigentlich für andere Zwecke eingesetzt gehören, nämlich für die Behandlung der Sachprobleme in den angesprochenen Bereichen. Man weiß doch, wo welche Kapazitäten an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen sitzen. Sie kennen sich untereinander, arbeiten zum Teil bereits zusammen und könnten durch die Aussicht auf weitere Mittel Anreize verspüren, dies zu intensivieren. Weitere administrative Einrichtungen, Entscheidungsgremien und neue Verfahren lenken ab und verzögern die Lösung von Sachfragen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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