TURNERS Thesen : Für das Abitur reichen zwölf Jahre

Allenthalben wird die Dauer der gymnasialen Schulzeit diskutiert. Zurück zu G 13? Mit aller Macht bei G 12 bleiben? Man erinnere sich: die Verkürzung von 12 auf 13 Schuljahre wurde damit begründet, dass unsere Abiturienten im internationalen Vergleich zu alt seien; im Übrigen fände im letzten halben Jahr (13 II) kaum mehr Unterricht statt, es würden nur Prüfungen abgenommen, beginnend mit den schriftlichen Arbeiten im Januar.

Die Forderung nach Rückkehr zur früheren Praxis wird vor allem mit der Belastung der Lernenden begründet, auch mit der fehlenden Zeit für außerschulische Aktivitäten.

Dort, wo es beide Angebote gibt, in räumlicher Nähe G 12 und G 13 verfügbar sind, also namentlich in Großstädten, kann auf die Wahlmöglichkeiten verwiesen werden. Anders ist es, wenn ein Monopol besteht. G 12 hat in der Tat entscheidende Schwächen. Die eine ist der faktische Ausschluss von Betätigungsmöglichkeiten neben dem schulischen Unterricht. Es wurde zudem ein Problem des alten Systems, nämlich der teilweise Leerlauf in 13 II, offensichtlich auf 12 II übertragen. Es fällt auf, dass im letzten halben Jahr so gut wie keine Stoffvermittlung durch regelmäßigen Unterricht mehr stattfindet, hingegen die Zeit mit Prüfungen und Vorbereitungen mehr oder weniger ausgefüllt ist. Die Klage, es fehle an Zeit für ein Pensum, das eine gymnasiale Ausbildung erfordert, erscheint insoweit berechtigt. Aber rechtfertigt dies eine Verlängerung um ein ganzes Jahr?

Die Frage, welcher Stoff inhaltlich und vom Umfang im Gymnasium anzubieten und zu absolvieren ist, muss letztlich „politisch“ entschieden werden. Überließe man dies allein den Fachleuten, würden auch 13 und mehr Jahre nicht ausreichen. Es bedarf einer Vorgabe, wie viel Zeit anzusetzen ist. Nach allem Pro und Contra scheinen 12 Jahre ausreichend zu sein.

Die sollten aber auch uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Warum denkt man nicht über eine Lösung nach, die beiden Anliegen gerecht wird: die Schulzeit beträgt volle 12 Jahre. Die Lehrpläne und damit das zu bewältigende Programm sind auf diese Zeit ausgerichtet. Danach werden die Prüfungen abgenommen, und zwar zügig und in einem gestrafften Verfahren. Aber selbst wenn dafür ein halbes Jahr in Anspruch genommen würde, wäre dies ein deutlicher Zeitgewinn im Verhältnis zu der kompletten 13-jährigen Schulzeit; die Nachteile von G 12 würden vermieden.

Man darf gespannt sein, welche Begründung oder Scheinargumente die Bedenkenträger aus den Lagern der Eltern und der Lehrkräfte, nicht zuletzt die gewerkschaftlich orientierten, dagegen vorzubringen wissen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine e-mail schreiben: george.turner@t-online.de

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