Turners Thesen : Genau hinsehen bei Burschenschaften

20.06.2011 11:36 Uhrvon

Studentische Verbindungen sind in der Regel Männerbünde. Es gibt farbentragende, konfessionell ausgerichtete, solche die Mensuren fechten und eine Fülle weiterer mit mehr oder weniger unterschiedlichen Zielen. Die Öffentlichkeit hat zum Teil ein falsches, weil unvollständiges Bild von ihnen. Oft werden sie als erzkonservativ und in ihren Ansichten und ihrem Tun als überholt dargestellt. Das ist jedenfalls in dieser Undifferenziertheit falsch.

Allerdings tun sich einige Mitglieder eines Verbandes besonders negativ hervor. Sie gehören der Deutschen Burschenschaft an. Es geht um ein Mitglied in der Burschenschaft Hansea zu Mannheim: Er ist in Mannheim geboren, hat seinen Dienst bei der Bundeswehr absolviert, Pflichtmensuren gefochten und bekennt sich zum Wahlspruch des Verbandes „Ehre, Freiheit, Vaterland“.

Geht es aber nach anderen Bünden des Dachverbands, hätte der deutsche Staatsbürger niemals in die Hansea aufgenommen werden dürfen. Der Hinderungsgrund sind seine chinesischen Eltern.

Auch wenn der Antrag zurückgenommen wurde, die Hansea auszuschließen, bleibt die Absicht, die verstimmt. Damit werden alle Vorurteile, die gegenüber studentischen Verbindungen gehegt werden, glatt in den Schatten gestellt. Eine solche Haltung löst nicht nur in der Öffentlichkeit Empörung aus. Es ist selbstverständlich, dass Studenten mit einer Vita, wie sie der „Hanseat“ aufweist, aufgenommen werden; ebenso ist eine Vielzahl an Ausländern Mitglied in den Kösener und Weinheimer Corpsverbänden.

Die Deutsche Burschenschaft hat wegen ihrer unentschlossenen und nachgiebigen Haltung im Verhältnis zu einzelnen ihrer Mitglieder in der Vergangenheit schon einen erheblichen Aderlass erlebt. Liberal denkende Bünde haben den Verband verlassen und entweder einen neuen Verband gegründet (Neue Deutsche Burschenschaft) oder sie sind zu anderen gewechselt.

Was bleibt, ist die Schädigung des Ansehens, die alle trifft. Studenten können sich ebenso wie alle anderen in allen verfassungsrechtlich unbedenklichen Formen organisieren, also auch in Korporationen. Deshalb ist es nicht tolerabel, wenn – wie auch in Berlin geschehen – Verbindungshäuser Gegenstand von Gewaltanwendung durch Autonome oder wen auch immer werden. Ebenso wenig aber ist hinnehmbar, was sich in der Deutschen Burschenschaft tut. Verfassungsschutz, übernehmen Sie – in beide Richtungen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

Aktuell auf tagesspiegel.de

Umfrage

Sollte es eine allgemeine Verjährungsfrist für Plagiatsvergehen in akademischen Arbeiten geben?

Weitere Themen

Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
Diskutieren Sie mit!

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit