Turners Thesen : Ignoriert das Shanghai-Ranking

Das Uni-Weltranking aus Shanghai ist ärgerlich und überflüssig. Unser Kolumnist George Turner ist erstaunt, dass dennoch selbst Fachleute die Ergebnisse unkritisch hinnehmen.

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George Turner
George Turner, Berlins Wissenschaftssenator a.D.Foto: Mike Wolff

Zu den ärgerlichsten und überflüssigsten jährlich wiederkehrenden Erscheinungen gehört das Ranking der Shanghaier Jiaotong-Universität. Weltweit werden Universitäten auf der Basis von wenigen Indikatoren verglichen: die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen und die Zahl der Zitierungen, wobei als Quellen zwei Statistiken des amerikanischen Medienkonzerns Thomson Reuters herangezogen werden. Sie werten ausschließlich die Zeitschriften Nature und Science sowie das Web of Science des Institute for Scientific Information aus. In den Naturwissenschaften zählen die zuerkannten Nobelpreise und in der Mathematik die Fieldsmedaille. Als Indikator der Leistungsfähigkeit wird die Größe der jeweiligen Institution berücksichtigt.

Wenn sich das häufig zu Unrecht gescholtene Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) eine solche Auswahl von Kriterien erlauben würde, bekäme es mit Recht die geballte Wucht fachlicher Kritik um die Ohren gehauen. Beim „Shanghai-Ranking“ werden die Ranglisten gläubig wiedergegeben, von den Gutplatzierten wie eine Monstranz vor sich hergetragen und von Politikern mit erhobenem Zeigefinger als Ansporn zitiert.

Was für ein Unsinn und welche Anmaßung auf der einen Seite, aber auch was für eine harmlose Gläubigkeit auf der anderen. Bei den Zitationen und Quellen zählen nur englischsprachige Veröffentlichungen. Möglicherweise sind es die wichtigsten, aber nicht die alleinigen. Noch kritischer ist das hohe Gewicht der Nobelpreise beziehungsweise der Fieldsmedaille, die oft vor Jahrzehnten vergeben wurden und nichts über die aktuelle Bedeutung des Fachs und ihrer Vertreter an der jeweiligen Institution aussagen. Der Wert des Rankings sinkt auch durch die Beschränkung auf die Naturwissenschaften. Vollends absurd ist es, Qualität und Größe der Universitäten in eine Beziehung setzen zu wollen.

Es erstaunt, wie unkritisch selbst Fachleute so dürftig belegte Ergebnisse hinnehmen. Aber das geschieht offenbar nicht nur bei Aussagen, die von außen kommen. Denkt man an die ebenso dünn belegte Honorierung der Zukunftskonzepte in der Exzellenzinitiative, muss man sich über den Langmut deutscher Universitäten nicht wundern. Die Auszeichnung von Zukunftskonzepten, auf denen die Kür zu Exzellenz-Universitäten beruhte, sollen nicht fortgeführt werden, immerhin. Entsprechend sollte man das Shanghai-Ranking nicht mehr zur Kenntnis nehmen.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

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