TURNERS Thesen : In den Master nur mit Eingangstest

Der Wissenschaftsrat moniert, dass Hochschullehrer im Schnitt zu gute Noten geben. Über drei Viertel aller Abschlussprüfungen erhielten die Noten „sehr gut“ oder „gut“. Dies gelte allerdings nicht für alle Disziplinen. Während zum Beispiel im Fach Biologie 98 Prozent der Absolventen mit den beiden besten Zensuren abschließen, sind es bei den Juristen nur 7 Prozent. Deshalb hätten die Noten nur eingeschränkte Aussagekraft über Gruppengrenzen hinaus.

Das Phänomen ist bekannt; man weiß, in welchen Fächern welche Praxis gilt. Darauf hat sich der „Markt“ längst eingerichtet. So kann es nicht überraschen, dass in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern in der Regel gute Ergebnisse erzielt wurden, weil zuvor eine Selektion stattgefunden hat. Anders ist es, wenn an einigen sozialwissenschaftlichen Fakultäten gute Noten aus „politischen“ Gründen mit dem Füllhorn ausgeschüttet werden. Die Bewerber aus entsprechenden Disziplinen werden beim Berufseintritt deshalb nicht nur nach Noten, sondern auch nach anderen Kriterien ausgewählt. Das können zum Beispiel firmeneigene Auswahlverfahren sein.

Kritisch wird es allerdings, wenn die Note über den Zugang zu einer weiteren Ausbildung entscheidet, wie bei der Zulassung zum Masterstudium, abhängig vom Abschneiden beim Bachelorabschluss.

Das Problem gilt nicht nur für Hochschulabschlüsse. Der Wert des Abiturs ist seit langem in der Kritik. Zwei Möglichkeiten bieten sich zur Lösung an: entweder werden Hochschuleingangsprüfungen eingeführt oder man bewegt sich in Richtung Einheitsabitur.

Beim Einstieg in das Masterstudium sollte man den erstgenannten Weg gehen. Eine einigermaßen solide Vergleichbarkeit der Noten ist nicht erreichbar. Dies ist schon bei Absolventen von Universitäten nicht gegeben, umso weniger, wenn Inhaber von Zeugnissen renommierter Fakultäten mit solchen von weitgehend unbekannten Fachhochschulen konkurrieren. Die Auswahl durch die aufnehmende Fakultät ermöglicht hingegen, Standards zu setzen.

Auch wenn, wie der Wissenschaftsrat fordert, eine stärkere Spreizung bei der Notengebung erfolgte, bliebe es dabei, dass man Benotungen unterschiedlicher Einrichtungen schwer oder gar nicht vergleichen kann. Da ist das objektivere, gerechtere Verfahren die Zulassung nach eigens gesetzten Kriterien. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats können nur insoweit einen Anstoß geben. An der Benotungspraxis werden sie nichts Wesentliches ändern.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

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