TURNERS Thesen : Jeder reformiert – aus Prinzip

In Baden-Württemberg kann es wieder einmal erlebt werden, wie die Hochschulen durch die Wechselbäder der Hochschulpolitik gejagt werden: Studiengebühren sollen abgeschafft, die Hochschulräte als eine Art Aufsichtsorgan der Hochschulen wieder kassiert werden. Man erinnert sich noch an die Einführung. Studiengebühren waren umstritten, Hochschulräte wurden als Fortschritt auf dem Weg zu einer effizient arbeitenden, ökonomisch orientierten Hochschule verstanden. Inzwischen hatten sich die Betroffenen auf beides eingerichtet; die Gebühren waren fest in der Finanzplanung verankert, die Räte in ihrer nicht besonders geglückten Konstruktion zum Teil unwillig hingenommen worden.

Man hat sich daran gewöhnt, dass jede Landesregierung sich zunächst einmal den Hochschulsektor vorknüpft, um ihren Reformwillen zu dokumentieren. Dass dies bei einer so radikalen Wende, wie sie Baden-Württemberg bevorsteht, nahezu zwangsläufig ist, überrascht nicht, zumal man über die bestehenden Regelungen trefflich streiten kann. Der Vorgang ist nur exemplarisch, wie die Hochschulen zum Gegenstand der Politik geworden sind. Auch das kann nicht verwundern, sind sie doch zum einen Kostgänger der Länder; zum anderen sind ihre Mitglieder Wähler.

Die Hochschulen müssen den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Zum einen sind es die direkt geltenden Normen, vor allem das Hochschulgesetz; dann bedarf es der Anpassung interner Regelungen. Das kostet Zeit, bindet Kräfte und geht zulasten der eigentlichen Aufgabe derer, die Forschung und Lehre betreiben sollen und wollen.

Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass sich an dem permanenten Reformieren etwas ändern könnte. Dazu sind die Vorstellungen von dem, was Universität sein soll, zu unterschiedlich. Die Kräfte, welche auf die Hochschulen einwirken, fordern die Bedienung ihrer Interessen: Parteien mit ihren unterschiedlichen Programmen, Arbeitgeber als Abnehmer der Absolventen, Interessenverbände wie Gewerkschaften. Das wird sich nicht ändern. Allerdings sollte man diesen Zustand nicht den Hochschulen anlasten. Sie sind Objekte, nicht Subjekte des Handelns.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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