TURNERS Thesen : Klare Aufgaben für Hochschulräte

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Einst sind sie als Heilsbringer für die Universitäten angekündigt worden. Mit Spitzenkräften aus der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens besetzte Hochschulräte sollten neue Impulse geben, bessere Wirtschaftlichkeit garantieren und mehr Akzeptanz der Universitäten in der Öffentlichkeit vermitteln.

Inzwischen wird beklagt, so aus dem Kreis der Kanzler, dass die Mitglieder, vor allem wenn es sich um Topleute handelt, in der Regel nicht bereit seien, den erwarteten Zeitaufwand zu betreiben. Hier liegt der Kern des Missverständnisses. Auszugehen ist von den Aufgaben. Richtig ist, dass der Rat nicht nur Beratungs- sondern auch Entscheidungskompetenzen haben soll.

Wenn ein Mitglied eines Hochschulrats einer renommierten süddeutschen Universität sich allerdings damit brüstet, dass es mindestens drei Tage pro Woche für die Universität arbeitet, kann irgend etwas nicht stimmen: Entweder fehlt es sonst an Beschäftigung oder es werden Angelegenheiten behandelt, die man besser professionellen Sachwaltern überließe. Wenn der Hochschulrat eine Art Aufsichtsrat sein soll, darf er sich nicht verzetteln. Der zu erbringende zeitliche Einsatz wird bei Personen der ersten Kategorie immer begrenzt sein. Konzentriert man die Aufgaben der Hochschulräte auf wesentliche Entscheidungen, wie langfristige Strategie- und Finanzplanung und Beteiligung bei der Bestellung der Hochschulleitung, dann reicht es aus, wenn vier Sitzungen im Jahr stattfinden.

Wird der Hochschulrat mit laufenden Angelegenheiten befasst, besteht die Gefahr einer Doppelung der Beratung: Präsidium oder Rektorat, und gegebenenfalls der Senat, haben anstehende Fragen bereits erörtert. Dann tut es der Hochschulrat ein weiteres Mal. Dies ist nicht nur unökonomisch, sondern widerspricht auch der Aufgabenverteilung von Exekutivorgan und Aufsichtsgremium.

Vielleicht hat die Forderung, Mitglieder von Hochschulräten müssten mehr Zeit investieren, auch einen anderen Grund: Über Jahrzehnte hat sich in den Gremien der Hochschulen ein Diskussions- und Verhandlungsstil eingebürgert, den man, vorsichtig formuliert, als sehr zeitaufwendig bezeichnen kann. Das lag zum einen an dem Gebaren mancher Gruppenvertreter, zu jedem und allem etwas beitragen zu müssen, zum Teil aber auch an nicht immer professioneller Leitung von Sitzungen. Wenn nun von Dritten ein anderer Geist eingebracht wird, kann das schon mal irritieren.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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