TURNERS Thesen : Lehrer früh auf Eignung testen

Von Zeit zu Zeit kocht es hoch: das Thema Lehrerausbildung. Die Bundesländer bieten eine Vielfalt an Streitthemen. Es geht unter anderem um die Frage, ob der Abschluss das Staatsexamen oder die Prüfung zum Bachelor/Master sein soll. Wie kann der Einheitslehrer verhindert werden? Wie soll Didaktik in die Fachdisziplinen integriert werden?

Der erstaunte Beobachter gewinnt den Eindruck, man beginne beim Nullpunkt. Dabei hat „Schule“ immer mehr oder weniger gut funktioniert, abhängig von der Qualität des lehrenden Personals. Die hängt aber nicht so sehr vom System der Lehrerausbildung ab, sondern von der Eignung der Betroffenen. Sicher können Fähigkeiten erlernt und trainiert werden. Aber es gibt Personen, die nicht geeignet sind, Arzt, Ingenieur oder Richter zu werden. Das trifft auch für Lehrer zu, wird dort aber geflissentlich übersehen.

Für keinen Beruf gilt, dass man sich bereits während der Schulzeit entscheiden muss, welche Tätigkeit später auszuüben ist. Ist die Ausbildung begonnen, gibt es zwar die Möglichkeit des Abbruchs oder Wechsels; wird das Studium abgeschlossen, bedeutet der Ausstieg aus der Einbahnstraße zugleich ein Scheitern. Wird der Beruf ausgeübt, obwohl es an den für den Lehrerberuf entscheidenden Fähigkeiten fehlt, führt das zu den Klagen über die Probleme der „Schule“. Also scheint es entscheidend zu sein, dass die Eignung für den Beruf frühzeitig festgestellt wird.

Zwei Möglichkeiten bieten sich an: radikal wäre, die Lehrerbildung abzulösen durch ein konsekutives Modell der Ausbildung. Bis zum Bachelor/Master werden ein oder mehrere Fächer studiert; die Unterrichtung und Einübung in Pädagogik und Didaktik erfolgt in der Zeit des Referendariats. Kein Lehreraspirant ist gehindert, sich bereits im Studium damit zu beschäftigen; vom Ausbildungsplan gehört es dort nicht hinein. Das Prinzip einer solchen Ausbildungsfolge hätte den Vorteil, dass eine bessere Personalsteuerung möglich wäre. Ist kein Bedarf an Lehrern gegeben, werden weniger das Referendariat anstreben bzw. aufgenommen. Sie sind nicht gescheiterte Lehramtskandidaten, die keine Anstellung bekommen, weil sie bereits einen (neutralen) Abschluss aufweisen können.

Einen geringeren Bruch mit der bisherigen Tradition würde es bedeuten, wenn vom Beginn des Studiums an Pflichtpraktika vorgesehen würden, deren erfolgreiches Absolvieren für die Fortsetzung des Studiums Voraussetzung ist. Auch dies böte eine höhere Gewähr, dass die Eignung für den Beruf ernsthaft getestet wird. Allerdings würden die Entscheidungen teils von Lehrern getroffen, die selbst besser nicht in diesem Beruf tätig wären. Insofern wäre dieses Modell nur die zweitbeste Lösung, aber immer noch besser als der derzeitige Zustand.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

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