TURNERS Thesen : Mehr Ethik ins Business-Studium

Die Business Schools haben gemerkt, dass sie ihre Studierenden zu einseitig ausbilden. Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Die Business Schools haben gemerkt, dass sie ihre Studierenden zu einseitig ausbilden. Es werden tüchtige Fachleute gezüchtet, und von dem, was bei Festveranstaltungen unter „Ethik in der Wirtschaft“ verkündet wird, sind sie unbeleckt. Sonst gäbe es wohl kaum eine Finanzkrise des aktuellen Ausmaßes, sonst gäbe es wohl keinen Grund für ein Entsetzen über die Kaltschnäuzigkeit, wie in Aussicht gestellte Bonuszahlungen eingefordert werden. Und sonst hätte man weniger Zweifel, ob es denn richtig ist, just jenen Bankern, welche die Krise mitzuverantworten haben, das aus Steuermitteln stammende Geld anzuvertrauen, mit der eben diese Krise eingedämmt werden soll.

Wenn für Fehlverhalten die Ausbildung verantwortlich gemacht wird, ist das aber nur die halbe Wahrheit. Sicher ist etwas daran, dass die Business Schools, aber nicht nur sie, sondern auch die Hochschulausbildung, zum Teil „gierige Absolventen ohne moralischen Kompass“ hervorgebracht haben, so der Vertreter einer renommierten amerikanischen Universität. Deshalb müsse man weg vom Prinzip der Fallstudien und mehr Bildung vermitteln. Das mag richtig sein. Viel schlimmer aber sind die schlechten Beispiele, vor allem, wenn sie folgenlos bleiben. Wie sollen denn Berufsanfänger ihren „Kompass“ finden, wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft jedes Maß verlieren? So sehr man es begrüßen mag, dass Gehälter von Vorständen offengelegt werden – die Sache hat auch eine Kehrseite: Der Vergleich führt nicht nur zu Neid, sondern auch zu Bundesliga-Tabellen und damit zu Rangfolgen, an denen die Bedeutung von Unternehmen gemessen wird.

Gegenstand der Beschäftigung im Studium müssen auch Exzesse sein, wie sie immer wieder vorkommen. Ethik in der Wirtschaft ist nicht nur ein theoretisch zu vermittelndes Fach, sondern kann durch Einbeziehung von konkreten Fällen plastisch vorgeführt und damit gelehrt werden. Man fragt sich, warum das nicht schon immer geschehen ist. Ein Grund liegt darin, dass im Zuge der Auseinandersetzungen an den Universitäten ab Ende der 1960er Erziehung und damit auch die Vermittlung von Vorstellungen über Moral und Anstand immer mehr ins Hintertreffen geraten ist. Der Rückzug der Universitäten aus jedem über wissenschaftliche Forschung und Lehre hinausgehenden Erziehungsauftrag entlässt jenen Managertyp, der jetzt verdammt wird.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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