TURNERS Thesen : Mehr Geld für Benachteiligte

Die neue Regierung will mehr Geld in Bildung investieren. Das findet Beifall, Ansprüche werden überall gestellt, so auch von den Universitäten. Sie machen geltend, dass das gestufte Studiensystem von Bachelor und Master aufwändiger sei als die bisherige Ausbildung. Außerdem müsse allen Absolventen der ersten Stufe der Zugang zur weiterführenden offen stehen.

Gewiss sollten alle, die befähigt sind, auch die Möglichkeit erhalten, den Abschluss als Master zu erwerben. Es sind aber nicht alle entsprechend ausgerüstet. Einer der Gründe für die Einführung eines ersten Abschlusses nach sechs Semestern war ja gerade die Erkenntnis, dass zu viele zu lange und zu wenig effizient studieren (durchschnittliche Studiendauer 13 Semester, Alter beim Abschluss im Schnitt 28 Jahre). Vermehrte Ausgaben dafür einzusetzen, dass jeder Bachelor auch den Master anstreben darf, ist weder leistbar noch wünschenswert.

Nicht zuletzt muss hier auch der Bedarf an anderer Stelle im Bildungssystem gesehen werden. Es wird darüber geklagt, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten zu selten auf weiterführende Schulen gelangten. Hier ließe sich durch gezielte Maßnahmen in der Schule eine Verbesserung erreichen.

Ebenso gibt es ein erhebliches Defizit dort, wo Eltern uninteressiert an der schulischen Entwicklung ihres Nachwuchses sind und Jugendliche ohne Schulabschluss bleiben und keine Chance auf eine berufliche Zukunft haben. Ihr Weg in die Zuständigkeit des Staates für ihre Existenz ist vorgezeichnet, wenn es nicht noch schlimmer kommt und sie in die Kriminalität abgleiten. Dass beides den Staat teurer zu stehen kommt als eine institutionelle Förderung bereits im vorschulischen Bereich, liegt auf der Hand – ganz abgesehen von den menschlichen Tragödien, die es zu verhindern gilt.

Gewiss wäre es erfreulich, wenn alle Bedürfnisse im Bildungsbereich finanziert werden könnten. Wenn aber Prioritäten gesetzt werden, muss man anerkennen, dass die Inhaber eines Bachelor ihre Chance gehabt haben, abgesehen davon, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder an die Hochschule zurückkommen könnten. Anderen, und dazu zählen nicht zuletzt auch Kinder mit dem viel zitierten Migrationshintergrund, muss schon über die erste Hürde, den Erwerb der deutschen Sprache, geholfen werden. Der demografische Aufbau der Bevölkerung in Deutschland und die absehbare Lücke von qualifiziert Ausgebildeten ist ein weiteres Argument.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine e-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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