TURNERS Thesen : Mit der Elite ist es wie beim Fußball

Der Fußball hat offenbar auch den Geist der Juroren bei der Entscheidung über die Exzellenzuniversitäten ergriffen. Nur so sind die Parallelen begreifbar. Elf (!) Universitäten sind spitze! Freiburg steigt ab – wie die Fahrstuhlmannschaft der Fußballer – mal rauf, mal runter. Bochum, aus der gleichen Kategorie, konnte schon deshalb diesmal nicht aufsteigen.

München: klar. Aber gleich zwei? Da fällt einem ein, unter welchen Umständen die TU in der ersten Runde durchgewinkt wurde. Im Fußball wird Schiebung bestraft. Auch für 1860 kommen wieder bessere Zeiten – vielleicht wird die Bundesliga aufgestockt. Karlsruhe abgestiegen. Auch klar. Der KSC soll sich freuen, dass er in der 2. Liga bleibt. Köln hat dem 1. FC gezeigt, wie man es macht. Wie heißt der professorale Poldi? Bremen hat überrascht. Das gelang ab und an auch den Grün-Weißen. Bei Aachen gibt es einen Systembruch: Die Kicker sind unterklassig. Das gilt auch für Berlin mit zwei Eliteuniversitäten bei Tristesse auf dem grünen Rasen.

Das frühere Scheitern der Humboldt-Universität wurde einem Präsidenten mit einer falschen Philosophie angelastet. Aber wer hat ihn eingestellt? Das Kuratorium ist für Personal zuständig – wie der Vorstand bei Hertha. Der Trainer der Freien Universität habe manchmal Foul gespielt. Schließlich wechselte er ablösefrei, bevor man ihn auf die Tribüne verwies. In der Hansestadt gelang zwar der Aufstieg nicht, aber der Abstieg konnte vermieden werden, wie beim HSV. Der neue Trainer der Humboldt-Universität brachte frische Erkenntnisse mit. Er führte Einzelgespräche, so vermied er Rudelbildung seiner Elitekicker. Auch der Osten hat wieder eine Topmannschaft: Dresden, das immerhin einen Helmut Schön hervorgebracht hat.

Man erkennt, die Auswahl ist von Sachverstand begleitet worden, jedenfalls was den Fußball betrifft.

Aber was soll Konstanz in der 1. Liga? Da liegt wohl eine Verwechslung mit Greuther Fürth und Erlangen vor. Und erst Tübingen? Immerhin liegt es im Einzugsgebiet des VfB Stuttgart und kommt damit aus der Tiefe des Raums.

Was lernen wir daraus? Der Ball ist rund, die Entscheidungen, welche Universitäten exzellent sind, erweisen sich als sperrig. Damit kann man anecken. Das sind Fehlentscheidungen wie bei Schiedsrichtern bei einem nicht gegebenen Tor, obwohl der Ball hinter der Linie war. Das sieht auch Mainz so. Göttingen hat sich verdribbelt. Die spielen Basketball. Da muss das Runde in das Runde, nicht in das Eckige.

Wie es weitergeht? Nach der Euro kommt der World Cup. Fußball ist immer. Exzellenz nur bis 2017.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben