TURNERS Thesen : Rankings können nützlich sein

Der Historikerverband hat beschlossen, weder am Forschungsrating des Wissenschaftsrates noch am Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) teilzunehmen. Unbehagen über Rankingverfahren wird immer wieder geäußert, vor allem, weil über ein und dieselbe Fakultät ganz unterschiedliche Aussagen gemacht werden, die dann als maßgeblich für Rankingplätze gelten.

Über die Medizin der privaten Hochschule Witten-Herdecke hat der Wissenschaftsrat seinerzeit ein vernichtendes Urteil abgegeben; eine Befragung der Studierenden erbrachte zur gleichen Zeit ein hohes Maß an Zufriedenheit über die Ausbildungssituation. Beide Aussagen sind nachvollziehbar und zutreffend. Wenn man nun womöglich versuchen wollte, beides auf einen Nenner zu bringen und ein „Mittel“ errechnet, ergäbe dies ein völlig falsches Bild. So ist in der Tat lange verfahren worden, indem man versucht hat, einzelne erhobene Daten zu gewichten. Dem Reiz, auf diese Weise Tabellen nach dem Muster einer Bundesliga zu erstellen, konnte sich auch das CHE in der Vergangenheit nicht verschließen, wenngleich Kenner der Materie bereits vor seiner Gründung auf den Unsinn solcher Rankinglisten hingewiesen hatten.

Inzwischen hat man dazu gelernt. Es werden die erfassten Fakten nebeneinander gestellt; eine Bewertung nach einem Schlüssel findet nicht statt. Damit unterbleiben auch unsinnige „Verrechnungen“ derart, dass schlechte Studienbedingungen durch ein attraktives Freizeitangebot ausgeglichen werden können. So kann es sein, dass eine Fakultät besonders schlecht bei den Studierenden wegkommt, weil die Betreuungsverhältnisse nicht gut sind und der Bibliotheksbestand zu wünschen übrig lässt, die Professoren eben dieser Fakultät wegen ihrer Forschungsleistungen bei den Fachkollegen aber ein hohes Ansehen genießen. Auch solche Befunde haben einen Informationswert, weil jede Aussage für sich von Bedeutung sein kann.

In Misskredit ist das Ranking auch geraten, weil versucht wurde, ganze Institutionen zu bewerten. Dies kann schon wegen der unterschiedlichen Größe und Struktur der Universitäten nicht gelingen. Wenn aber fachbezogene Erhebungen stattfinden und die Einzelergebnisse für sich stehen, können sie hilfreich sein und sinnvoll genutzt werden. Das gilt auch für das Fach Geschichte.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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