Turners Thesen : Schavans Fakultät übersieht etwas

Die Uni Düsseldorf wird sich neben möglichen Rügen zum Verfahren in einem Gerichtsverfahren sehr unangenehme Fragen in der Sache gefallen lassen müssen, die alle darauf abzielen, ob sie ihr Ermessen sachgerecht ausgeübt hat, meint unser Kolumnist George Turner.

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Kolumnist George Turner.
Kolumnist George Turner.Foto: Mike Wolff

Der Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist der Doktortitel durch die Universität Düsseldorf aberkannt worden. Dagegen klagt sie vor dem Verwaltungsgericht. Wie sind ihre Chancen?

Der Doktorvater der früheren Doktorandin hat wörtlich erklärt: „Die Arbeit entsprach damals absolut dem wissenschaftlichen Standard.“ Damit gemeint ist eine anerkannte Art und Weise der Bearbeitungsmethode und der inhaltlichen Anforderungen. Ob das tatsächlich der Fall war, kann nur ein Vergleich mit anderen zu jener Zeit abgeschlossenen Dissertationen ergeben. Entsprechende Untersuchungen durch die Fakultät sind nicht bekannt. Sie wird sich deshalb neben möglichen Rügen zum Verfahren in einem Gerichtsverfahren sehr unangenehme Fragen in der Sache gefallen lassen müssen, die alle darauf abzielen, ob sie ihr Ermessen sachgerecht ausgeübt hat.

In den 1970er Jahren sind in Nordrhein-Westfalen die Pädagogischen Hochschulen aufgelöst worden und Professoren und Dozenten an die Universitäten berufen/übergeleitet/versetzt worden. Welche Personen waren es, die von der PH Neuss an die Universität Düsseldorf gelangten, neben dem Betreuer der Arbeit von Frau Schavan? Wer von ihnen hat Dissertationen mit welchen Themen ausgegeben, die zum Abschluss gekommen sind? Wie ist die Benotung gewesen? Sind seinerzeit bei solchen Arbeiten Mängel festgestellt worden, wie sie an der Arbeit von Frau Schavan jetzt gerügt werden? Hat es einen Vergleich der Dissertation von Frau Schavan mit den zu jener Zeit erstellten Arbeiten unter dem Aspekt von Plagiaten gegeben? Weisen jene Arbeiten ähnliche Mängel auf, wie sie Frau Schavan vorgehalten werden? Wie, wenn sich der Verdacht bestätigt, dass zu jener Zeit Gutachter der Fakultät bei anderen Dissertationen ebenso wenig Mängel festgestellt haben wie bei der Arbeit von Frau Schavan?

Die Zurückhaltung der jetzt aktiven Mitglieder der Fakultät hängt womöglich auch damit zusammen, dass sie nicht gern Nachfolger jener sind, denen man Vorwürfe machen kann. Schließlich sind sie von denen und der folgenden Professorengeneration für ihre Positionen vorgeschlagen worden. Ist dabei vielleicht auch nicht die erforderliche Sorgfalt an den Tag gelegt worden?

Welche Nebenwirkungen haben akademische Aufwertungen? Das wäre doch ein schönes Dissertationsthema angesichts der aktuellen Bestrebungen um die Ausweitung des Promotionsrechts.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: george.turner@t-online.de

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