TURNERS Thesen : „Soft skills“ lernt man im Leben

Staatlichen Universitäten versuchen, „soft skills“ zu vermitteln, weil diese immer wichtiger für den Berufserfolg werden. Es erscheinen dann in den Lehrplänen Bezeichnungen wie „Allgemeine Berufsqualifizierende Kompetenzen“, „Allgemeine Schlüsselqualifikationen“, „Berufsfeldorientierte Kompetenzen“ oder „Studium Professionale“.

Durch den Rückzug der Universitäten aus jedem über wissenschaftliche Forschung und Lehre hinausgehenden Erziehungsauftrag ist eine Lücke entstanden. Diese „Humboldt-Lücke“, beruhend auf dem Humboldt’schen Konzept, wonach die Aufgabe der Universität auf ihre Kernkompetenz begrenzt ist, wurde in der Massenuniversität und mit einer veränderten Zusammensetzung der Studentenschaft deutlich. Zuvor hatte die im wesentlichen aus Akademikern und den bürgerlichen Aufsteigern bestehenden Elternhäuser diese Sozialisierungsfunktion wahrgenommen. Zum Teil wurde sie, solange immerhin 30 Prozent der männlichen Studierenden Mitglieder studentischer Verbindungen waren, auch von diesen erfüllt.

Als Erste haben private Universitäten erkannt, dass die staatlichen hier ein Defizit aufweisen. Zum Programm der Privaten beziehungsweise zu dem, was sie angeblich oder tatsächlich besser machen (wollen) als die staatlichen, gehört die Vermittlung von „Schlüsselkompetenzen“. Darunter sind solche Fähigkeiten zu verstehen, die dazu dienen, „im Beruf erfolgreich zu sein, das Gemeinwesen zu befördern und es erlauben, das eigene Leben bestmöglich zu gestalten“ (so das Programm der International University Bremen). Aus der Sicht von Unternehmen, heißt das: Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten, Einsatzbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit.

Wenn nun die staatlichen Hochschulen versuchen, ihre im Grunde systemimmanente Lücke zu schließen, bleibt neben der zeitlichen Unterbringung entsprechender Veranstaltungen ein Kernproblem: Persönliche Kompetenzen sind zwar theoretisch darstellbar, aber kaum etwas, das man wie Unterrichtsstoff lernen kann. Da sind diejenigen sicher im Vorteil, die bereits als Schüler in Vereinen oder als Studierende Zeit finden, in beliebigen Organisationen Sozialkompetenz zu erlernen, anzuwenden und damit das „learning by doing“ zu praktizieren.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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