Turners Thesen : Stoppt die Spaltung der Hochschulen

Der Hochschulrektorenkonferenz droht ein Auseinanderbrechen. Die Leitung der HRK scheint nicht in der Lage, die unterschiedlichen Interessen differenziert zu vertreten

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Kolumnist George Turner.
Kolumnist George Turner.Foto: Mike Wolff

Bereits im Jahr 2005 haben sich neun Technische Universitäten (Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Hannover, Karlsruhe, München, Stuttgart) als Verein zusammengeschlossen („TU 9 German Institutes of Technology“), um die Interessen forschungsorientierter ingenieur- und naturwissenschaftlich orientierter Universitäten in Deutschland zu vertreten. Andere, die auf Spezialgebieten durchaus Weltniveau erreichen, wurden nicht eingeladen.

Mit der Zielsetzung, die Bedingungen für Wissenschaft, Forschung und Lehre zu verbessern, wollen 15 große forschungsorientierte und medizinführende Universitäten in Deutschland künftig ihre strategischen Interessen gemeinsam vertreten. Zur „German U 15“ gehört die Mehrheit der Exzellenz-Universitäten (FU Berlin, HU Berlin, Heidelberg, Köln, Leipzig, LMU München, Tübingen; ferner Bonn, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Mainz, Münster Würzburg). Die Exzellenz-Universitäten TU München und Aachen sind Mitglieder bei TU 9.

Bremen und Konstanz (nicht Medizin führend) und das in der Endrunde gescheiterte Bochum dagegen fehlen. Ferner vermisst man sogenannte Landesuniversitäten wie Kiel oder Saarbrücken. Was ist mit Erlangen oder Gießen? Wo bleiben erfolgreiche Neugründungen wie Regensburg, wo in ihren ursprünglichen Spezialgebieten weiterhin führende Einrichtungen wie Mannheim? Sind die neuen Länder außer Leipzig ein weißer Fleck?

Es wäre immerhin eine gewisse Begradigung der aus der dritten Förderstufe der Exzellenzinitiative (Zukunftskonzepte) gezogenen falschen Schlussfolgerung, wenn nicht die elf auserkorenen sogenannten Elite-Universitäten als erste Garnitur verstanden würden. Der Kreis der herausragenden Universitäten bzw. solcher mit qualitativ hervorstechenden Fachvertretern ist nicht geschlossen und schon gar nicht auf die elf Exzellenz-Universitäten begrenzt.

Auch die neuen Orientierungen verdeutlichen den Trend zu einer Differenzierung der Universitäten. Aber die Auswahl durch Selbsternennung oder Clubbildung ist kaum der richtige Weg. Zu solchen Erscheinungen aber kommt es, wenn wie bei der Exzellenzinitiative erkennbare Fehlentscheidungen wie die zu große Gewichtung der Zukunftskonzepte getroffen werden – und wenn die Leitung der HRK nicht in der Lage scheint, die unterschiedlichen Interessen zu bündeln und differenziert zu vertreten.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de

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