TURNERS Thesen : Unis brauchen starke Leitungen

Wer möchte, dass deutsche Universitäten nicht den Anschluss an die US-Spitzenuniversitäten verlieren, muss auch anerkennen, dass deren Management wesentlich mit zum Erfolg beiträgt.

An einigen Universitäten rumort es: In Hamburg hat gerade die Präsidentin aufgegeben, andernorts akzeptiert der Senat nicht den vom Hochschulrat vorgeschlagenen Kandidaten, an dritter Stelle führt sich ein Präsident wie ein Sonnenkönig auf. Nach jahrelangen Diskussionen, ob der Rektorats- oder der Präsidialverfassung der Vorzug zu geben sei, gibt es fast nur noch die hauptamtliche Leitung. Während früher Universitätsgremien die Wahl über die Person zu treffen hatten, sind an deren Stelle Hochschulräte, zum Teil mit universitätsfremden Mitgliedern, getreten. Diese „Fremdbestimmung“ wird in den Universitäten als Bruch mit der Tradition betrachtet und lässt die Leiter nicht vorbehaltlos als deren Vertreter erscheinen.

Seit der Demokratisierung der Hochschulen ab den 1970er Jahren sitzen neben Professoren auch Vertreter der Assistenten, Studenten und des nichtwissenschaftlichen Personals in den mit Entscheidungskompetenzen ausgestatteten Gremien. Das war politisch gewollt; rechtlich zwingend ist es nicht. Es ist denkbar, dass die zentrale Entscheidungsebene einer Universität durch eine hauptamtliche Leitung aus mehreren für einzelne Ressorts verantwortlichen Mitgliedern besteht, wobei die nach Paritäten mit Gruppenvertretern bestückten Gremien auf zentraler (Senat) und dezentraler (Fakultät) Ebene nur beratende Funktion haben.

Eine Ressortzuständigkeit darf aber nicht dazu führen, dass keine einheitliche Linie mehr erkennbar ist. Das heißt, der Vorsitz muss mit einer Richtlinienkompetenz ausgestattet sein. Dies mag viele, die sich an die Verhältnisse seit 40 Jahren gewöhnt haben, überraschen, vielleicht schockieren. Wer aber möchte, dass deutsche Universitäten nicht den Anschluss an die US-Spitzenuniversitäten verlieren, muss auch anerkennen, dass deren Management wesentlich mit zum Erfolg beiträgt. Das kennt keine Mitwirkungsregeln nach deutschem Muster. Wenn Probleme auftreten, kann das zwei Gründe haben: Zum einen haben die Mitglieder der betreffenden Institution (noch) nicht akzeptiert, dass die Leistungsstruktur eine andere geworden ist, zum anderen können handelnde Personen für Führungsaufgaben nicht geeignet sein. Das gibt es nicht nur an Hochschulen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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