TURNERS Thesen : Verkehrserziehung auch für Radler

Die Schule soll dazu beitragen, dass die Schüler soziales Verhalten lernen. Dazu gehören auch die Einhaltung von Regeln und die Rücksichtnahme auf andere. Praktisch wird dies vermittelt und geübt unter anderem in der Verkehrserziehung. Achtsamkeit ist dabei ein wichtiges Anliegen.

Das gleiche Ziel, nämlich Rücksicht zu üben, verfolgt auch eine Initiative des Senats, Berlin zu einer fußgängerfreundlichen Stadt zu machen – termingerecht vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Dazu sollen etwa freundliche Ampelschaltungen dienen, damit ein gefahrloses Überqueren der Fahrbahn nicht nur im Sprinttempo möglich ist – und Tempolimits durch die Einrichtung von 7-, 20- und 30-km/h-Zonen für Kraftfahrzeuge.

Eines der größten Ärgernisse für Fußgänger aber ist die Inbesitznahme von Fußwegen durch Radler. Hat man noch Verständnis, wenn ein Elternteil mit einem kleinen Kind in moderater Geschwindigkeit den Gehweg benutzt, so fehlt dies bei den heranbrausenden Kurieren und anderen Radfahrern, die Passanten als lebende Slalomstangen nutzen. Ordnungshüter beschränken sich aufs Gewährenlassen oder schauen einfach weg.

In der Schule soll das Miteinander nicht nur auf dem Schulhof, sondern auch fürs Leben gelehrt und geübt werden. Wie aber soll vermittelt werden, dass Regeln, auch Verkehrsregeln, zu beachten sind, wenn außerhalb jeder macht, was er will und dies ohne Ahndung bleibt?

Auffällig in dem Maßnahmekatalog des Senats zur Verbesserung der Situation der Fußgänger nämlich ist, dass der Kollisionsbereich mit Radfahrern auf dem Bürgersteig nicht vorkommt. Fußgänger will man ködern: Der Senat tut was! Aber jene Klientel, die Verkehrsregeln mit Pedalen tritt, möchte man nicht vergrätzen.

Wie soll die Schule mit solcher politischen Doppelbödigkeit umgehen? Der Erziehungsauftrag der Schule wird allumfassend verstanden. Die Vermittlung von Recht und Gesetz, und dazu gehören auch Verkehrsregeln, wird erschwert, wenn so offensichtlich nach Wählern geschielt wird. Auch ein Lehrstück.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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