TURNERS Thesen : Weniger Rechte für schlechte Eltern

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

Es gibt gute Gründe, den Eltern die Entscheidung darüber zu lassen, ob sie ihre Kinder in Krippen oder Kitas geben oder sie ausschließlich zu Hause erziehen. Entscheiden sie sich für das Letztere, ist es konsequent, ihnen ein Betreuungsgeld zukommen zu lassen. Bei der Diskussion um das richtige Modell geht es nicht nur darum, dass Eltern, meistens sind es die Mütter, weiter ihren Beruf ausüben können. Ein Argument für den Ausbau von Krippen und Tagesstätten ist auch die Absicht, Kindern aus bildungsfernen Schichten, aus sozial problematischen und aus Migrantenfamilien bessere Chancen zu eröffnen. Sie sollen vor allem sprachlich gefördert werden.

Gerade in einem sozial schwierigen Umfeld besteht jedoch die Gefahr, dass sich die Eltern dafür entscheiden, die Kinder zu Hause zu lassen – um über das Betreuungsgeld verfügen zu können. Im schlimmsten Fall könnten sie es in Alkohol umsetzen. Dann blieben exakt die Kinder auf der Strecke, denen die öffentliche Sorge in erster Linie gilt. Betreuungsgutscheine für alle sind auch kein Ausweg. Denn womöglich lösen gerade jene Eltern, deren Kinder Förderung besonders nötig haben, sie aus Nachlässigkeit oder grundsätzlicher Ablehnung nicht ein. Bei einem solchen Verfahren würden im Übrigen die Familien „bestraft“, welche die Erziehung selbst wahrnehmen.

Die Lösung kann nur in einer Sonderregelung für die problematischen Fälle liegen. Ist der begründete Verdacht gegeben, dass Erziehungsberechtigte Missbrauch mit den ihnen gewährten Leistungen treiben, müssen staatliche Stellen einschreiten dürfen. Bei häuslicher Gewalt oder Verwahrlosung kann das Sorgerecht eingeschränkt oder entzogen werden. Und wenn Eltern ihren Kindern das Recht auf Bildung und Erziehung verweigern? Warum sollte man sie nicht verpflichten können, die Kinder in die Kita zu schicken oder ihnen staatliche Finanzhilfen streichen? Elternrecht darf nicht so weit gehen, dass den Kindern dauerhafter Schaden zugefügt wird. Das ist unstreitig bezüglich der körperlichen Integrität. Warum soll das im Hinblick auf ihre sonstige Entwicklung anders sein?

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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