TURNERS Thesen : Wirtschaft muss Schulfach werden

Alle beklagen es: Schüler lernen zu wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge in den allgemeinbildenden Schulen. Als Erwachsene stehen sie den Phänomenen später hilflos oder mit Vorurteilen behaftet gegenüber. Dabei ist es doch so wichtig, dass sie als Verbraucher und Wähler wissen, wie "Wirtschaft" funktioniert.

George Turner[Wissenschaftssenator a. D.]

Deshalb muss den Schülern ein Grundwissen vermittelt werden. Selbst wenn Elemente von „Wirtschaft“ in den verschiedenen Fächern mehr Berücksichtigung erfahren, als das derzeitig der Fall ist, darf man sich davon keine Wunder erhoffen. Das gleiche gilt für Auftritte von Vertretern von Unternehmen in den Schulen.

Die richtige Lösung ist ein eigenständiges Fach. Die Umsetzung allerdings nimmt Zeit in Anspruch. Es muss eine neue Generation von Lehrern ausgebildet werden. Der durchschnittliche Lehramtsbewerber hat möglicherweise gar keine besondere Affinität zu dem Fach – sonst würde er vielleicht nicht Lehrer. Die Berufsschullehrer, die „Wirtschaft“ studiert haben, sind in ihrem Einsatzgebiet voll in Anspruch genommen.

Die Zwischenlösung kann womöglich in einem Ansatz neben, womöglich sogar außerhalb, der Schule liegen, der so attraktiv ist, dass er von der Zielgruppe angenommen wird. Besichtigungen von Betrieben oder ähnliches können Anstöße geben, erreichen aber keine dauerhafte Wirkung, weil sie keine Konstanz vermitteln. Zu suchen ist nach etwas, das so attraktiv ist, dass es freiwillig wahrgenommen wird, so wie das regelmäßige Fußballtraining oder das Üben in der Rockgruppe. Vielleicht muss mit Wettbewerben, bei denen es etwas zu gewinnen gibt, gelockt werden. Hier wäre als Partner der Schulen an die Industrie- und Handelskammern, die Arbeitgeberverbände oder vergleichbare Institutionen zu denken.

Entsprechende Angebote dürften keine Eintagsfliegen sein, sollen sie Langzeitwirkung haben. Also: warum nicht fest installierte Kurse für Jahrgangsgruppen zu bestimmten Zeiten, auch in den Ferien, mit der Aussicht, dort nicht nur etwas zu lernen, sondern noch etwas durch eigene Leistung zu erwerben, bis hin zu der Chance, einen Praktikumsplatz oder sogar eine Stelle als Azubi zu gewinnen? Vielleicht ist ein geeigneter Ansatz, den Kreislauf des Geldes in den Mittelpunkt zu stellen, damit nicht die Aussicht auf „theoretischen“ Unterricht abschreckt, sondern das Objekt zum Mitmachen einlädt.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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