TURNERS Thesen : Zöllner war gut, Berlin war es nicht

Mit dem Ende der Legislaturperiode wird Jürgen Zöllner als Senator für Bildung und Wissenschaft seine Tätigkeit beenden. Er war, als man ihn nach Berlin holte, unstreitig der deutsche Bildungspolitiker mit der größten Erfahrung und dem höchsten Ansehen. Die Berliner Politik, vor allem seine eigene Partei, hat ihn schnell zurechtgestutzt. Seine Idee einer „Superuni“ wurde von den eigenen Genossen abgeschmettert. Die zweitbeste Lösung, die Einstein-Stiftung, nahm man ohne allzu große Begeisterung hin.

Der Regierende Bürgermeister verkündete zwar vollmundig die Wichtigkeit von Wissenschaft und Forschung für Berlin, gab aber dem Sachwalter nicht die nötige Rückendeckung. So wie Wowereit untätig blieb, wenn Finanzsenator Nussbaum den Kollegen Zöllner bloßstellte, wird das gewiss mögliche Kandidaten aus der ersten Garnitur von außerhalb nachdenklich stimmen.

Vielleicht war Zöllner, obgleich lange im politischen Geschäft, gelegentlich zu nachgiebig oder zu optimistisch – jedenfalls für Berliner Verhältnisse. Dass er den Staatssekretär für den Hochschulbereich behielt, den er „geerbt“ hatte und der nicht gerade als Idealbesetzung galt, haben Insider als unangebrachte Rücksicht gegenüber parteiinternen Forderungen angesehen. Statt für die Schule einen Amtschef einzusetzen, der die Berliner Eigenwilligkeiten kennt, brachte er einen Kandidaten mit, den er später auswechseln musste.

Das mindert nicht die Erfolge, die Zöllner in der Schul- und Hochschulpolitik eingefahren hat. Die Schulreform ist für die ansonsten in Berlin in diesem Bereich herrschenden Turbulenzen erstaunlich ruhig über die Bühne gegangen; die Universitäten haben durch die Auszeichnung der Freien Universität mit dem Exzellenzstatus gewonnen, nicht zuletzt dank Zöllners Eintreten in den überregionalen Runden.

Den Glamour der Gewinnung Zöllners für Berlin nutzte man bei seinem Amtsantritt gern, die Unterstützung für die Umsetzung guter Ideen blieb weitgehend aus. Jürgen Zöllner hat eine ordentliche Amtszeit abgeliefert. Sie hätte glanzvoller und erfolgreicher sein können, wenn seine eigene Partei die Chance begriffen hätte, dass jemand, den man aus einem anderen Land abwirbt und der Ansehen und Kredit einbringt, nur dann seine Möglichkeiten entfalten kann, wenn er nicht von den eigenen Leuten ausgebremst wird. Den Rheinland-Pfälzern wäre das nicht passiert.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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