Wissen : U 21 der Wissenschaft

EU-Wettbewerb: Deutsche Jungforscher in Paris

Frank van Bebber

Der Berliner Gymnasiast Julian Petrasch hat nach den Sternen gegriffen und ist damit immerhin schon einmal bis nach Paris gekommen: Der 17-Jährige ist einer von vier jungen Deutschen beim Wettbewerb für Europas beste Schülerforscher.

Insgesamt 140 Nachwuchshoffnungen aus 38 Ländern hat die Europäische Union ins ehrwürdige Palais de la Découverte eingeladen, alle sind unter 21 Jahre alt. Und so steht Petrasch seit Tagen stundenlang an einem Stand vor Plakaten, dicht bedruckt mit Formeln und Grafiken. Nebenan erklärt ein Franzose der Jury gestenreich Molekülstrukturen, gegenüber referiert ein Este über seine statistische Analyse von Auswahltests für weiterführende Schulen. Die Polen sind im T-Shirt gekommen, die jungen Ungarn tragen Schlips und dunklen Anzug. Petrasch sitzt in Hemd und Jeans am Stand. In Berlin und Deutschland macht er seit Monaten Furore, weil er für „Jugend forscht“ mit einer eigenen Software genauer als Profiforscher berechnete, wann Asteroiden auf der Erde einschlagen könnten.

Vor der Berufung in die Jungforscher-U-21 haben die vier Deutschen eine harte Auswahl überstanden. Tausende Schüler reichten ihre Ideen ein. Nach Paris schafften es nur der Berliner Petrasch, der Münchner Steffen Strobel, der mit einer Infrarotkamera Venen sichtbar macht, und zwei Kasseler Schüler, die sich mit optischen Eigenschaften von Nano-Goldpartikeln beschäftigen. Die EU will mit dem Wettbewerb Schüler für Naturwissenschaft und Mathematik begeistern.

Auch für die jungen Teilnehmer geht es längst um mehr als um ein von der EU spendiertes Abendessen auf dem Eiffelturm, wenn Mitte der Woche die Sieger gekürt werden. „Im Lebenslauf ist das sehr, sehr wichtig, fast gleichbedeutend mit dem Abischnitt“, sagt Petrasch über seine „Jugend forscht“-Karriere. Schon steht die Studienstiftung des Deutschen Volkes bereit, wenn der heutige Elftklässler später studiert. Dabei ist das Astronomietalent derzeit in Physik auf eine Drei gefallen, weil er sich mehr mit Asteroiden als mit seinen Hausaufgaben beschäftigte.

Einen Schritt weiter ist der Münchner Steffen Strobel. Unter der kleinen Deutschlandflagge an seinem Stand präsentiert er nicht nur die Infrarotkamera, die die Venensuche bei der Blutabnahme erleichtert, sondern auch den Businessplan für ihre Vermarktung. Ein Medizintechnikkonzern engagierte den 20-Jährigen, der inzwischen an der TU München Informatik studiert, als Berater. Klagelieder über den Bildungsstandort Deutschland haben die Jungforscher nicht gehört. „Viele hier würden gerne in Deutschland studieren“, sagt Strobel. Auch die Statistik des Wettbewerbs spricht dafür, dass Deutschland nicht weniger junge Forscher- als Fußballtalente hat: Seit 1989 gewann keine andere Nation mehr erste Preise. 19 Mal standen Deutsche auf dem Podium. Frank van Bebber

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben