Umfrage : Professoren sind frustriert vom Bachelor

8200 Hochschullehrer wurden gefragt: Viele sind sich einig, dass die Ziele der Bologna-Reform richtig sind, hadern aber mit deren Umsetzung. Dabei hängt die Zufriedenheit auch vom Hochschultyp ab.

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Viele Studenten, weniger Forschung. Professoren sehen Bedarf für Verbesserungen.
Viele Studenten, weniger Forschung. Professoren sehen Bedarf für Verbesserungen.Foto: dpa

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Bachelor und Master in die deutschen Hochschulen eingezogen sind. Doch bis heute hadern immer noch viele damit. Eine Umfrage im Auftrag der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ergab jetzt, dass mehr als die Hälfte aller Lehrenden mit den Veränderungen im Zuge der Bologna-Reform unzufrieden sind. Die Professoren kritisieren vor allem, dass Studium und Lehre zu verschult seien.

Für die Untersuchung „Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen – Erfahrungen und Sichtweisen der Lehrenden“ wurden 8200 Hochschullehrer befragt. Die meisten von ihnen stimmen zwar prinzipiell mit den Zielen der Reform überein, das Studium an deutschen Hochschulen international besser vergleichbar und Studierende mobiler zu machen. Dennoch kritisieren viele die Arbeitsbedingungen für Studierende und Lehrende. Professoren an Fachhochschulen sind dabei im Schnitt deutlich zufriedener als ihre Kollegen an den Unis.

Besonders beklagen die Universitätsprofessoren einen hohen zeitlichen Mehraufwand, der unter anderem zulasten ihrer Forschung gehe. „Die Studienreform hat die Umstrukturierung der Lehre notwendig gemacht, ohne dass dafür entsprechende Mittel zur Verfügung standen“, sagt HRK-Präsident Horst Hippler. Er fordert mehr Geld für zusätzliches Personal: „Es kann nicht sein, dass Professorinnen und Professoren dem hohen Betreuungsaufwand in der Lehre ausgesetzt sind und gleichzeitig exzellente Forschung betreiben sollen.“

Die Lehrenden beobachten aber auch Schwierigkeiten bei ihren Studenten. So habe deren Motivation im Vergleich zu den Magister- oder Diplomstudiengängen abgenommen. Um die Situation zu verbessern, schlagen drei Viertel der Professoren vor, schon vor Studienbeginn und in der Anfangsphase die Anforderungen an die Studierenden klarer zu formulieren. Praxisphasen sollten zudem Teil jedes Studiengangs werden und damit besser auf das Berufsleben vorbereiten. Für sich selbst hoffen die Professoren künftig auf mehr Anerkennung ihrer Leistung, zum Beispiel in Form von Lehrpreisen.

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