Umfrage unter Lehrkräften : Lehrer-Fortbildungen helfen selten im Unterricht

Lehrkräfte nehmen oft an Fortbildungen teil - deren Inhalte kommen aber selten in vollen Umfang im Unterricht an. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage.

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Der deutsche Mathematikunterricht muss besser werden. Aber wie?
Der deutsche Mathematikunterricht muss besser werden. Aber wie?Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Lehrkräfte nehmen oft Fortbildungen wahr – im Unterricht kommt davon aber wenig an. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Telekom-Stiftung unter 500 Lehrkräften aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Demnach absolvierten 67 Prozent der Befragten innerhalb des vergangenen halben Jahres eine Fortbildung. Allerdings konnte nur ein Viertel die Inhalte umfassend im Unterricht anwenden.

Laut der Umfrage sind es vor allem die jüngeren Lehrkräfte (unter 50 Jahren) sowie die von Grund-, Haupt- und Realschulen, deren Fortbildung meist nur wenige Monate zurückliegt. Bei Gymnasiallehrern ist der Anteil etwas geringer. Allerdings gab insgesamt nur ein Prozent an, noch nie bei einer Fortbildung gewesen zu sein; für nur sieben Prozent liegt die letzte Fortbildung mehr als zwei Jahre zurück.

Im Vergleich zu einer ähnlichen Umfrage vor einem Jahrzehnt sei das eine „äußerst starke Entwicklung“, heißt es. Damals hatten gerade unter den Gymnasiallehrern noch deutlich weniger zeitnah Fortbildungen absolviert.

Bei den Fortbildungen geht es meistens um Didaktik

Bei den meisten Kursen geht es um didaktische Themen (73 Prozent), um neue Entwicklungen bei den Lehrplänen und Lernprogrammen (69 Prozent) oder die Auffrischung von Fachwissen (67 Prozent). Rund 55 Prozent der Befragten haben sich mit digitalen Medien befasst. Weniger als die Hälfte indes besuchte Veranstaltungen zur Inklusion oder zur Integration von Schülern mit Migrationshintergrund.

Zwar sagen vier von zehn Lehrkräften, das Angebot könnte umfangreicher sein. Gleichwohl waren 82 Prozent mit ihrer Weiterbildung zufrieden, und neun von zehn fühlen sich ausreichend von ihrer Schulleitung unterstützt und freigestellt.

Viele Lehrer wünschen sich noch konkretere Hinweise

Woran liegt es, dass dennoch so wenige die Inhalte im Unterricht umfassend umsetzen können? Viele sagen, sie hätten sich dafür noch konkretere Hinweise gewünscht. 43 Prozent glauben, es wäre besser, die Inhalte gemeinsam im Kollegium umzusetzen. Daran hapert es jedoch. Obwohl zwei Drittel eine gemeinsame Teilnahme an Fortbildungen befürworten, passiert das in der Praxis selten: Nur jeder Fünfte machte eine Fortbildung im gesamten Team.

Und schließlich sind drei Viertel der besuchten Fortbildungen nur eintägig – für die Telekom-Stiftung ebenfalls ein Indiz, dass die Angebote nicht nachhaltig genug sind. „Eintägige Impulse, fern der eigenen Unterrichtspraxis, entfalten im Alltag nur schwerlich ihre Wirkung“, sagt Geschäftsführer Ekkehard Winter. Er hält es zwar für erfreulich, wie viel stärker sich Lehrkräfte heute für Fortbildungen engagieren. Umso frustrierender sei es, dass sie davon nur wenig profitieren. Eine effektive professionelle Weiterentwicklung brauche daher mehr Zeit und Zusammenarbeit.

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