Umfrage : Wird der Nobelpreis den Leistungen eines Teams gerecht?

Vor der Nobelpreis-Woche: Ist es noch zeitgemäß, die höchste Auszeichnung an maximal drei Personen zu vergeben? Diskutieren Sie mit!

Höchste Auszeichnung in der Wissenschaft - der Nobelpreis.
Höchste Auszeichnung in der Wissenschaft - der Nobelpreis.Foto: dpa

In der kommenden Woche werden die Nobelpreise bekanntgegeben. Wie immer gibt es zahlreiche Spekulationen, Gerüchte, Mutmaßungen, beispielsweise bei den Analysten von Thomson Reuters. Als eine Kandidatin gilt die Berliner Forscherin Emmanuelle Charpentier, die maßgeblich an der Entwicklung von „Genscheren“ (Crispr) beteiligt ist.

Neben der Frage, wem das Nobelkomitee die Ehre zusprechen wird, steht auch die, wie sinnvoll es ist, sich auf höchstens drei Personen festlegen zu müssen. Wissenschaft sei immer mehr Teamwork, einzelne herauszugreifen nicht ganz fair, sagen Kritiker.

Nachweis von Gravitationswellen gelten als Favorit

Vor allem in der Physik werden große Entdeckungen meist von Kollaborationen gemacht. Das war beim Higgs-Teilchen der Fall und auch beim Nachweis von Gravitationswellen, der als vielversprechend für den diesjährigen Preis gehandelt wird. Diese Wellen, „Kräuselungen der Raumzeit“,  hatte bereits Albert Einstein vorhergesagt. Doch erst im September 2015 wurde erstmals eine solche Welle gemessen. Im Februar, als sich die Forscher der LIGO-Kollaboration ganz sicher waren, keinem Irrtum zu unterliegen, stellten sie den Befund in der Öffentlichkeit vor.

Für den Fall, dass dieser Meilenstein der Physik geehrt wird, kursieren vor allem diese drei Namen: Kip Thorne und Ronald Drever vom California Institute of Technology sowie Rainer Weiss vom Massachusetts Institute of Technology. Wie das Fachmagazin „Science“ berichtet, drängen etliche Physiker darauf, Barry Barish nicht zu vergessen. Der Teilchenphysiker vom Caltech habe entscheidend dazu beigetragen, dass der Wellendetektor „LIGO“ überhaupt in Betrieb gehen konnte. „Ohne ihn hätte es die Entdeckung nicht gegeben“, zitiert das Magazin Sheldon Glashow von der Universität Boston. Glashow, selbst Nobelpreisträger, habe mehreren Mitgliedern des Preiskomitees geschrieben und auf Barishs Rolle hingewiesen. Es wäre eine große „Ungerechtigkeit“, wenn dieser leer ausginge.

Der Friedensnobelpreis kann auch an große Gruppen gehen

Das Dilemma ließe sich umgehen, wenn die Regel – maximal drei Personen werden ausgezeichnet – abgeschafft würde. Mehr noch, vor allem große Kollaborationen, in denen hunderte engagierte Forscher arbeiten, könnten offiziell geehrt werden, anstatt einzelne Vertreter herausgreifen zu müssen. Beim Friedensnobelpreis ist das inzwischen üblich.

Verfechter der Drei-Personen-Regel argumentieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse „Gesichter“ brauchen, um wahrgenommen zu werden. Mit der großen Masse verblasse der Erfolg. Und wie überall brauchen auch die großen Forscherteams jemanden, der oder die das Heft in der Hand hat und die Richtung vorgibt.

Was meinen Sie, gehört die Drei-Personen-Regel abgeschafft?

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