Umstrittener Kongress : "Unis sollten Quacksalber nicht fördern"

Gegen den wegen der Einladung von "Homo-Heilern" umstrittenen Psychotherapeuten-Kongress an der Uni Marburg protestieren jetzt auch Wissenschaftler. Man betrachte mit Sorge, dass immer öfter Tagungen "mit esoterischem Inhalt" an Hochschulen abgehalten würden.

Tilmann Warnecke

Gegen den wegen der Einladung von „Homo-Heilern“ umstrittenen Psychotherapeuten-Kongress an der Universität Marburg protestieren jetzt auch Wissenschaftler. Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ erklärte, bei den in einigen Workshops angebotenen Ansätzen zur „Behandlung“ von Homosexuellen handele es sich um „Pseudowissenschaften“, die „nicht dem Stand der biologischen und psychologischen Wissenschaft entsprechen“. Man betrachte „mit Sorge, dass Tagungen mit pseudowissenschaftlichen oder esoterischen Inhalten immer häufiger in einem universitären Raum abgehalten werden, ohne dass Universitäten hiergegen einschreiten“. In der Gesellschaft sind über 800 Forscher verschiedener Fachrichtungen von allen großen deutschen Universitäten organisiert, die fragwürdige, aber oft populäre Themen auf dem Grenzgebiet zur Wissenschaft kritisch hinterfragen.

Zuvor hatte bereits der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) den Auftritt von „Homo-Umpolern“ auf dem Kongress kritisiert und deren Ausladung gefordert. Stein des Anstoßes sind vor allem zwei Seminare auf dem „Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“, der im Mai stattfinden soll. Ein Seminar wird vom Vorsitzenden des Vereins „Wüstenstrom“ unterrichtet, das andere von der Leiterin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ der „Offensive Junger Christen“. Beide Organisationen haben einen evangelikalen Hintergrund und bieten psychologische Beratung im Bereich Sexualität an. Offiziell streiten die beiden Gruppen ab, Schwule und Lesben in ihren Seminaren umpolen zu wollen. Eine Sprecherin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ sagte aber gegenüber der „Frankfurter Rundschau“, dass sie sehr wohl „Menschen helfen wollen, die sich eine Verringerung ihrer homoerotischen Gefühle wünschen“.

Die Wissenschaftler stellten sich jetzt ausdrücklich hinter den LSVD. Die umstrittenen Workshops seien „vermutlich religiös motiviert“ – „ähnlich wie die Ablehnung der Evolutionstheorie durch die Kreationisten“, heißt es in der Erklärung. Dass der von einer evangelikalen Akademie organisierte Kongress an einer Universität stattfinde, sei kein Zufall: „Es soll der Eindruck erweckt werden, dass die diskutierten Inhalte wissenschaftlichen Charakter haben, obwohl dies nicht der Fall ist.“

Sie forderten die Universitäten auf, keine Veranstaltungen mehr mit pseudowissenschaftlichen Inhalten zuzulassen. „Universitäten sollte an Aufklärung und Wissenschaft gelegen sein, nicht an der Unterstützung von Quacksalberei.“ Diese Forderung sei keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie Vertreter von Pseudowissenschaften ihren Kritikern gerne unterstellen würden. Es stünden schließlich genug außeruniversitäre Tagungszentren zur Verfügung, „in denen Räumlichkeiten angemietet und Meinungen noch so absurder Natur frei geäußert werden können“. 

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