Umstrittener Professor : Baberowski erklärt seine Äußerungen

Der Historiker Jörg Baberowski fühlt sich missverstanden und präzisiert nun in einem Interview: „Stalin hatte Freude an Gewalt, Hitler nicht“.

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Unter Konformitätsdruck? „Die Herrschaft des politisch Korrekten" ist in alle Bereiche des Hochschullebens eingedrungen, meint Jörg Baberowski, Professor an der Humboldt-Universität.
Unter Konformitätsdruck? „Die Herrschaft des politisch Korrekten" ist in alle Bereiche des Hochschullebens eingedrungen, meint...Foto: Fabiana Zander Repetto


Jörg Baberowski, Historiker an der Humboldt-Universität, verteidigt seine Äußerung, Hitler sei nicht grausam gewesen. „Wer meine Aussagen in ihrem Sinnzusammenhang sieht, versteht sehr gut, was gemeint ist“, erklärt er in einem Interview der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Forschung und Lehre“: „Ich habe Hitler mit Stalin verglichen. Stalin war ein Psychopath. Hitler war keiner. Stalin hatte Freude an Gewalt, Hitler nicht. Hitler wusste, was er tat. Er war ein Schreibtischtäter, der von den blutigen Folgen seiner Taten nichts wissen wollte. Das macht seine Taten moralisch nicht besser, sondern schlimmer. Niemand kann das wirklich missverstehen“, erklärt Baberowski.
Der „Spiegel“ hatte Baberowski im Februar 2014 mit der Aussage zitiert: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird. Stalin dagegen hat die Todeslisten voller Lust ergänzt und abgezeichnet, er war bösartig, er war ein Psychopath.“

In Deutschland fehle eine Streitkultur

Baberowski berichtet auch von Anschlägen gegen sein Haus, die vermutlich von Linksextremen verübt wurden. Vor einigen Wochen seien die Scheiben der Eingangstür eingeschlagen worden. An die Tür sei das Wort „fear“ gemalt worden. Auch bekomme er Morddrohungen.
In Deutschland kritisiert Baberowski eine fehlende Streitkultur, auch an den Hochschulen. Dort sei die "Herrschaft des politisch Korrekten" in alle Bereiche des Hochschullebens eingedrungen. „Dass ich mich nicht kritisch über die Flüchtlingspolitik äußern darf, ohne als rechtsradikal zu gelten, ist ein Beleg dafür, dass es in Deutschland immer noch an einer sachlichen Streitkultur fehlt. Wer nicht links ist, ist rechtsradikal“, so Baberowski. Das Kölner Landgericht hatte unlängst geurteilt, die Meinungsfreiheit erlaube es, Baberowskis Formulierungen über Flüchtlinge als „rechtsradikal“ zu bezeichnen. Auf die Frage, ob diese Bewertung zutreffend oder falsch sei, komme es nicht an.

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