Umwelt : Gefährdete Tümmler schlechter dran als gedacht

Mexikanische Meeressäuger haben möglicherweise nur noch zwei Jahre.

Rex Dalton

Das am meisten gefährdete Meerssäugetier der Welt - ein Tümmler, der vor der Westküste Mexikos lebt - ist einer neuen Studie zufolge stärker vom Aussterben bedroht als bislang angenommen.

Einem Artikel zufolge, der online in Conservation Biology veröffentlicht wurde (1), überlebten lediglich geschätzte 150 Exemplare der Spezies mit dem Namen Vaquita (auch kalifornischer Schweinswal) in ihrem angestammten Lebensraum im Golf von Kalifornien. Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen starten eine multinationale Kampagne, um die verbliebenen Tiere zu schützen.

"Dies ist die beste politische Möglichkeit sie zu schützen, die wir je hatten", sagt Co-Autor Lorenzo Rojas-Bracho, Experte für Meeressäuger in Ensenade, Mexiko. "Wenn es nicht funktioniert, wird der Vaquita aussterben."

Es besteht ein Zeitfenster von etwa zwei Jahren, um die Tiere zu retten, schätzt das Team. Der Vaquita (Phocoena sinus) geht regelmäßig in die Netze der Fischerboote.

1999 schätzten Wissenschaftler die Zahl der verbliebenen Vaquitas im nördlichen Golf von Kalifornien auf 567 (2). Der mexikanische Biologe Armando Jaramillo-Legorreta, führender Autor des neuen Berichts, sagt, dass etwa 40 Tümmler pro Jahr durch die steigende Anzahl von Fischerbooten getötet werden. Eine Population von etwa 100 Tieren muss überleben, damit eine ausreichende genetische Vielfalt erhalten bleibt, so das Team.

Vorangegangene Versuche, Zonen einzurichten, in denen nicht gefischt werden darf, und Fischer aus den Lebensräumen der Tümmler herauszukaufen, schlugen fehl. Nun jedoch haben die Umweltschutzorganisationen WWF, Nature Conservation und Conservation International ihre Kräfte gebündelt und zusammen 10 Millionen US-Dollar aufgebracht.

Auf kurze Sicht wollen sie den Fonds nutzen, um Boote und Netze, die die Vaquitas töten, aufzukaufen, während nach nachhaltigeren Methoden des Fischfangs gesucht wird. Die mexikanische Regierung hat ebenfalls etwa 4 Million US-Dollar für die Vaquitas bereitgestellt, unter anderem für die Entwicklung alternativer wirtschaftlicher Möglichkeiten für die Fischer.

Mexikos Präsident Felipe Caderón hat sich der Initiative zum Schutz der Tiere angeschlossen. Vertreter der Fischindustrie sprechen jedoch gelegentlich offen davon, sie auszurotten.

Die Lage der Vaquitas spiegelt diejenige anderer Meeressäuger wider. Im letzten Jahr zum Beispiel erklärte ein internationales Wissenschaftlerteam den Chinesischen Flussdelfin (Lipotes vexillifer) im Yangtze-Fluss für ausgerottet, nachdem ein verspäteter Versuch unternommen worden war, ihn zu retten. Aber die Situation des Vaquita ist eine andere, sagen Wissenschaftler, denn der Golf von Kalifornien ist ein vergleichsweise gesundes Ökosystem - im Gegensatz zum stark verschmutzten und befahrenen Yangtze.

"Das Problem ist bekannt und Abhilfe gegeben", sagt Barbara Taylor, Co-Autorin des Beitrags und Biologin am US Southwest Fisheries Science Center in La Jolla, Kalifornien. "Die Frage ist, ob der politische Wille zur Umsetzung besteht."

Frühere Programme, die Fischereimethoden in der Region zu verändern, haben sich als schwer umsetzbar erwiesen; im letzten Jahr floss 1 Million US-Dollar, die den Fischern vorgeblich für das Unterlassen des Fischfangs gezahlt worden war, stattdessen in neue Boote und Motoren, sagen Wissenschaftler.

In diesem Jahr stellt die mexikanische Regierung 1 Million US-Dollar für die Umsetzung der Fischfangregularien bereit. Umweltschutzorganisationen unterstützen das Vorhaben ebenfalls.

Auf lange Sicht untersuchen Wirtschaftswissenschaftler des Mexican National Ecological Institute und der Sustainable Fisheries Group an der University of California in Santa Barbara die Möglichkeit, Alternativen für die Fischer zu schaffen.

Ob das ausreicht, den Vaquita zu retten, wird sich zeigen müssen.

(1) Jaramillo-Legorreta, A. et al, Conservation Biology (OnlineEarly Articles). doi:10.1111/j.1523-1739.2007.00825.x (2007)
(2) Jaramillo-Legorreta, A. et al , Marine Mammal Science 15, 957-973 (1999)

Dieser Artikel wurde erstmals am 16.11.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.262. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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