Umweltschutz : Ein grüner Schwarzer

Wer sich durch Engagement im Umweltschutz seine Sporen verdient hat, bekommt die Urania-Medaille verliehen. In diesem Jahr ging diese an Klaus Töpfer.

Hartmut Wewetzer

Zwischen Jürgen Trittin von den Grünen und dem CDU-Mitglied Klaus Töpfer passte an diesem Abend kein Blatt Papier. Die beiden ehemaligen Umweltminister waren in der Berliner Urania anscheinend zusammengekommen, um kommenden schwarz-grünen Allianzen vorauszueilen. Klaus Töpfer wurde für seine Verdienste um den Umweltschutz mit der Urania-Medaille geehrt.

Jürgen Trittin hielt eine Laudatio, in der er Töpfer in eine Reihe mit dem Club of Rome („Die Grenzen des Wachstums“) und Friedensnobelpreisträger Al Gore stellte. „Sie haben den Vereinten Nationen ein Gesicht gegeben“, sagte Trittin. Der studiert Volkswirt Töpfer, der nach seiner Zeit als Umwelt- und Bauminister von 1998 bis 2006 Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen war, sei einer der wichtigsten Aufklärer und „Buchstabierer des wichtigen Wortes von der Nachhaltigkeit“.

Töpfer habe der wissenschaftlichen Erkenntnis über das Ausmaß der Umweltzerstörung weltweit Gehör verschafft und „die Umwelt populär gemacht“. Zudem habe er auf die Bedeutung einer intakten Umwelt für die Entwicklung hingewiesen. Umwelt und Wirtschaft seien in Wahrheit keine Gegensätze, Töpfers Grundwahrheit laute daher: „Ökologie ist nichts anderes als Langzeitökonomie.“

Trittin erinnerte auch an ein Verdienst Töpfers aus seiner Zeit als Umweltminister: die Einführung der Mülltrennung. Damals belächelt, würden in Frankreich und Belgien nun ähnliche Systeme eingeführt, und der Recycling-Gedanke setzte sich in Japan und China durch.

In seinem Festvortrag gab der 69-jährige Töpfer das Lob zurück. Angesichts der immer knapper werdenden „traditionellen Energien“ sei es richtig gewesen, dass Trittin das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht und damit der Windenergie zum Durchbruch verholfen habe.

Eine „nachhaltige Entwicklung“ sei die Friedenspolitik unserer Zeit, sagte Töpfer. Seit 2007 gebe es endlich ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Bedeutung des Klimawandels. Aber Töpfer kritisierte auch die Industrieländer: die Zivilisation würden manche als „Zuvielisation“ bezeichnen. Die Klimabelastung durch die Industrienationen gehe zu Lasten der „Ärmsten der Armen“. Es zeichne sich ab, dass der nächste Krieg „ein Krieg um Wasser“ sei, da „gibt es ein Wetterleuchten“. Wem Töpfers düsteres Orakel einen Schrecken eingejagt hatte, der konnte sich nach seinem Vortrag bei den rhythmischen Trommelklängen der afrikanischen Musikgruppe „Adikanfo“ wieder entspannen.

Die Urania besteht seit 120 Jahren. Sie bemüht sich um die Vermittlung von Wissenschaft und „betrachtet die Welt mit den Augen der Brüder Humboldt“, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Jubiläumsvortrag sagte. Die Urania bedeute „Bildung für alle“. Wowereit will sich nun dafür einsetzen, dass Forschungsinstitute und Schulen in der Stadt Patenschaften bilden. Ganz nach dem Vorbild des bürgerschaftlichen Engagements der Urania. Hartmut Wewetzer

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