UN-Report : Plastik und Zigaretten vermüllen Ozeane

Der aktuelle UN-Report zeichnet ein düsteres Bild: In manchen Meeren machen Plastikflaschen und –tüten 80 Prozent des Abfalls aus. Recycling könnte die Bedrohung der Ozeane und unserer Gesundheit erheblich mindern.

Plastik, vor allem in Form von Tüten und PET-Flaschen, sei rund um den Globus der am weitesten verbreitete marine Müll, heißt es in dem neuen Bericht des UN-Umweltprogramms Unep und der Schutzorganisation Ocean Conservance. Er wurde am Montag in Washington und Nairobi vorgestellt.

In manchen Meeren seien dies bis zu 80 Prozent aller Abfälle. Auch das Rauchen trägt demnach erheblich zur Verschmutzung der Meere bei. Mit mehr als 25 Millionen Stück stellten Zigarettenfilter und Zigaretten sogar den größten Anteil an den rund 103 Millionen Stück marinem Müll, die für die Untersuchung katalogisiert wurden.

"Der Ozean ist unser Lebenserhaltungssystem", sagte Ocean-Conservancy-Präsidentin Vikki Spruill. "Er liefert viel von dem Sauerstoff, den wir atmen, von der Nahrung, die wir essen, und das Klima, das wir zum überleben brauchen. Dennoch bedroht Müll weiter seine Gesundheit."

Plastik in Vogelmägen

So verwechseln Meeresschildkröten dem Bericht zufolge treibende Plastiktüten oft mit Quallen – einer Leibspeise der seltenen Tiere. Die Folgen sind oft tödlich. In einer fünf Jahre langen Untersuchung von Eissturmvögeln in der Nordsee sei bei 95 Prozent der Tiere Plastik im Magen gefunden worden. Der Plastikmüll zerbreche nach und nach in immer kleinere Stücke, bis die giftigen Schnipsel selbst von den kleinsten Organismen am Fuß der marinen Nahrungskette gefressen würden.

"Mariner Müll ist symptomatisch für eine breiteres Problem", sagte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner in einer Mitteilung. "Nämlich für den verschwenderischen Gebrauch und das anhaltend schlechte Management natürlicher Ressourcen." Plastiktüten, Flaschen und anderer Müll, der sich in den Meeren ansammelt, könne durch Recycling, Müllvermeidung und Abfallmanagement drastisch reduziert werden.

Tourismus erzeugt viel Müll

"Bei manchem Abfall wie Frischhaltefolie und Einweg-Plastiktüten, die das marine Leben ersticken, sollte die Herstellung verboten werden oder zügig auslaufen. Es gibt einfach keinerlei Rechtfertigung mehr, sie irgendwo noch zu produzieren", sagte Steiner.

Für die erste Untersuchung ihrer Art waren Müllfunde aus zwölf Meeresregionen ausgewertet worden, darunter etwa aus dem Mittelmeer, der Ostsee und der Karibik. Viel Müll stammt dem Report zufolge aus dem Tourismus. Ein gutes Beispiel dafür, dass Tourismus und saubere Meere sich nicht ausschließen, seien jedoch Mauritius und die Seychellen. Sie trügen nahezu nichts zur Mülllast im westlichen Indischen Ozean bei, obwohl sie beliebte Reiseziele seien.

Weltweit landen nach früheren Unep-Berechnungen jährlich 6,4 Millionen Tonnen Müll in den Ozeanen. Auf jedem Quadratkilometer der Weltmeere schwimmen demnach rechnerisch 46.000 Stück Plastikmüll. Das meiste stammt aus der internationalen Schifffahrt. 

Statt für die Müllentsorgung in den Häfen zu bezahlen, schmeißen die Kapitäne den Abfall oft einfach auf hoher See über Bord. Dazu kommen Haus- und Industrieabfälle, die über die Flüsse in die Ozeane gelangen und durch Meeresströmungen und Winde verteilt werden.

ZEIT ONLINE, dpa, 8.6.2009 - 17:11 Uhr

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