Wissen : Ungesunde Verteilung

Bierbauch und Rettungsringe erhöhen das Sterberisiko

Dagny Lüdemann

Ein Bierbauch und die berüchtigten Rettungsringe auf der Hüfte sind ein Gesundheitsrisiko – auch für Menschen die nicht übergewichtig sind, also einen mittleren Body Mass Index (BMI) haben.

Das eingelagerte Fett an Bauch und Hüften hat einen negativen Einfluss auf die Ausschüttung von Botenstoffen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere chronische Stoffwechselerkrankungen begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommen Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke nach der Auswertung einer europäischen Langzeitstudie mit rund 359 000 Versuchspersonen um die 50 Jahre.

Bei Männern mit einem Taillenumfang von mehr als 120 Zentimetern ist das Risiko, frühzeitig zu sterben, nahezu doppelt so hoch, wie bei denjenigen mit weniger als 80 Zentimetern Taillenumfang. Bei Frauen lag der kritische Wert bei 100 Zentimetern. Bei weniger als 65 Zentimetern war ihr Sterberisiko nicht erhöht.

Auch das Verhältnis zwischen Bauch und Hüfte ist ein recht zuverlässiger Indikator für die Gesundheit, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ (Band 359, Seite 2105). Dieser Wert wird errechnet, indem man Taillen- durch Hüftumfang teilt. In der aktuellen Studie ergab das bei 98 Prozent der Männer einen Wert zwischen 0.78 und 1.10 – bei Frauen zwischen 0.66 und 0.98. Jede Erhöhung um 0,1 Punkte bedeutet für Männer ein um 34 Prozent, für Frauen um 24 Prozent erhöhtes Sterberisiko.

Aber auch Modelmaße sind aus ärztlicher Sicht nicht ideal: Das geringste Sterberisiko haben Männer mit einem BMI von 25,3, bei Frauen ist ein BMI von 24,3 optimal. Diese Werte liegen sogar leicht im Bereich des Übergewichts. Ein Mann, der 1,82 Meter groß ist, dürfte demnach 82 Kilogramm wiegen – eine Frau von 1,68 Metern hätte mit 66 Kilo ihr Idealgewicht. Der BMI berechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern hoch zwei. Allerdings kommt es nach der aktuellen Studie auch darauf an, wie sich das Gewicht verteilt. Darüber, wie viel Muskelmasse ein Mensch im Verhältnis zum Fett hat, sagt der BMI nichts aus. Außerdem ist es normal und nicht zwingend ungesund, wenn man mit dem Alter etwas zunimmt.

Wer gesund leben will, sollte sich also nicht allein auf sein Gewicht verlassen. Auch weiterhin gilt: Nicht Rauchen, wenig Alkohol, mehr Sport und mehr Obst. Dagny Lüdemann

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