• Uni-TÜV: Erste Berliner Hochschule darf ihre Qualität in Studium und Lehre selbst kontrollieren

Uni-TÜV : Erste Berliner Hochschule darf ihre Qualität in Studium und Lehre selbst kontrollieren

Systemakkreditierung: Das Qualitätsmanagement der Hochschule für Technik und Wirtschaft hat überzeugt

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Gebäude der HTW in der Frühlingssonne
Fähig zur Selbstkontrolle: Die HTW hat ein überzeugendes Qualitätsmanagement, meinen Gutachter.Foto: Herde/HTW

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) darf ihre Studiengänge selbst mit einem Gütesiegel versehen. Als erste Berliner Hochschule hat die HTW das Verfahren der „Systemakkreditierung“ bestanden: Ihr internes Qualitätsmanagement wurde von der Akkreditierungsagentur AQAS zertifiziert. „Wir sind stolz darauf“, erklärte HTW-Präsident Michael Heine anlässlich der Übergabe der Urkunde zur Systemakkreditierung am Montag.

Im Zuge der Bologna-Reform müssen die deutschen Hochschulen ihre einzelnen Bachelor- und Masterstudiengänge von Akkreditierungsagenturen überprüfen lassen. Das ist aufwendig und verursacht hohe Kosten von um 15 000 Euro pro Studiengang – die HTW hat 72 Studiengänge. Gegenüber dieser „Programmakkreditierung“ spart die von der HTW gewählte „Systemakkreditierung“ viel Geld und erlaubt ihr, das Verfahren in den eigenen Händen zu halten.

Trotzdem gibt es aus Hochschulen auch an der Systemakkreditierung Kritik. Sie verursache bürokratischen Aufwand, ohne die Lehre zu verbessern, heißt es etwa aus der FU, die sich ebenfalls um die Systemakkreditierung bemüht, aber hinter dem angestrebten Zeitplan herhinkt. Auch an der HTW gab es „nicht nur Begeisterung“, sagt Klaus Semlinger, Vizepräsident für Lehre der HTW: „Aber es liegt doch an uns, was wir aus unserem System machen.“ Letztlich hätten auch die Skeptiker den Prozess unterstützt, 200 Personen seien beteiligt gewesen.

Schon lange gibt es an der HTW Umfragen unter Studierenden und Statistiken über ihr Studierverhalten. Das akkreditierte Qualitätsmanagement ist nun so gestaltet, dass diese Erkenntnisse „nicht nur als Alltagsrauschen“ wahrgenommen werden, sagt Semlinger. Ab jetzt werde damit „gearbeitet“. Die Befunde sollen mit den neuen externen Beiräten, die die HTW nun regelmäßig beraten, diskutiert werden: „Wo gibt es Probleme, was wollen wir erreichen, woher bekommen wir die Ressourcen dafür?“, soll nun laut Semlinger systematisch gefragt werden. Auch muss das Qualitätsmanagement der HTW nun etwa beobachten, ob flächendeckend die Anrechnung extern erbrachter Studienleistungen transparent gehandhabt wird, wie gut ein Studium strukturiert ist oder wie es um die Studienberatung gestellt ist.

Die vorher verstreut über die Fachbereiche mit Qualitätsfragen befassten Mitarbeiter wurden in einer neuen Zentralstelle konzentriert. Ist das neue System erst „eingeschwungen“, rechnet die HTW mit fünf bis sechs Personen, die sich kontinuierlich mit dem Qualitätsmanagement befassen, sagt Semlinger. Zunächst hilft Geld aus dem Qualitätspakt Lehre von Bund und Ländern.

Die HTW hatte sich im November 2011 für die Agentur AQAS entschieden, weil diese noch nicht „so überrannt“ gewesen sei, wie Semlinger sagt. Auch die FU hat AQAS gewählt, doch aus Professorenkreisen heißt es, die Agentur habe nicht gut mit der FU und den externen Gutachtern kommuniziert und damit die Verzögerung selbst mitverschuldet. Semlinger hingegen lobt AQAS. Die Agentur habe „intensives Feedback“ gegeben und die Gutachter vor ihren Besuchen gebrieft, um sie auf die HTW einzustimmen. Während an der FU die Sorge umgeht, am Ende werde von AQAS ohne Rücksicht auf unterschiedliche Kulturen an den Fachbereichen nur ein einziges Qualitätssicherungssystem geduldet, hebt Semlinger hervor: „Da werden keine einheitlichen industriellen Standards über die ganze Hochschule gestülpt.“ Vielmehr sei akzeptiert worden, dass „die Designer an der HTW anders ticken als die Ingenieure“. Denn die Agentur hoffe, dass die Fachbereiche so umso mehr voneinander lernen. Semlinger sieht die HTW durch das Akkreditierungsverfahren nicht fremdbestimmt: Angesichts der Rolle, die Professoren als Gutachter spielten, sei das Prozedere „schon sehr hochschulgesteuert“.

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