Unifinanzierung : Jura ist am billigsten

Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner schlägt den Hochschulen Preise für Leistungen im Rahmen der neuen Hochschulfinanzierung vor: 13 000 Euro für einen Jura-Studenten, 25 000 Euro für Migranten, die ein Lehramtsstudium aufnehmen.

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Cent für Cent. Wer gut forscht, verdient für die Uni Geld vom Land. Foto: TU/promoTechnische Universitaet Berlin P

Leistung muss sich lohnen. Nach diesem Motto will Jürgen Zöllner (SPD) das bisherige System der Berliner Hochschulfinanzierung ab dem Jahr 2012 umstellen. Das hat der Wissenschaftssenator schon vor über einem Jahr angekündigt und damit einen Proteststurm von Hochschulleitungen und Opposition geerntet. Die Hochschulleitungen kritisierten das geplante „Preismodell“ aus Sorge, es werde sich um ein neues Sparprogramm handeln. Auch werde es zu Eingriffen in die Hochschulautonomie und zum Verlust der bisherigen Planungssicherheit führen. Die Opposition sprach von einem „Kopfgeld“, das die Universitäten zu Volkshochschulen verkommen lassen werde.

Jetzt hat der Senator den Hochschulen einen Vorschlag über die Ausgestaltung des „Preismodells“ unterbreitet. Denn wie der Senator schon im Sommer vorhergesagt hatte, haben die Hochschulen es nicht geschafft, sich untereinander zu einigen. „Uns ist nicht mal ein gemeinsamer Brief an den Senator gelungen“, erklärte unlängst der Kanzler der FU, Peter Lange, vor dem Akademischen Senat. Denn die Interessen der Hochschulen gehen aufgrund ihrer unterschiedlichen Profile und Belastungen auseinander. Zumindest die drei großen Universitäten sind sich aber offenbar einig.

Bislang bekamen die Hochschulen zwei Drittel ihres Geldes global. Das übrige Drittel wurde zwischen den Hochschulen nach Leistung verteilt. Mit dem Preismodell soll fortan nur noch ein Drittel der Landeszuschüsse unabhängig von der Leistung gewährt werden. Dieser Sockelbetrag, der sich jährlich um 1,3 Prozent erhöht, enthält die Pensionen für die Professoren, aber auch die Kosten für den Botanischen Garten der FU oder besondere historische Archive, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht, das dem Tagesspiegel vorliegt. Den restlichen Zuschuss müssen sich die Hochschulen jetzt verdienen: durch Anstrengungen in Lehre und Forschung sowie in Diversity (Gleichstellung von Männern und Frauen sowie Förderung von Migranten) und Weiterbildung.

Welche Preise schlägt Zöllner vor? Für Studierende variiert das Geld je nach Fach. Am wenigsten bekommen die Universitäten für den Bereich Jura und Wirtschaftswissenschaften: Pro Student in der Regelstudienzeit will der Senat hier 13 000 Euro überweisen. Etwas mehr bekommen die Unis für Sprach- und Kulturwissenschaftler (15 000 Euro). Höher liegen die Preise in den Bereichen, in denen eine aufwendigere Ausstattung nötig ist: in den Naturwissenschaften 27 000 Euro und bei den Ingenieuren 28 000 Euro. Am meisten bringen Veterinärmediziner mit 58 000 Euro ein, das Fach bietet allerdings nur die FU an. Fachhochschulen sollen weniger bekommen als die Universitäten: Hier liegen die Preise zwischen 13 000 Euro (Jura/BWL) und 25 000 Euro (Ingenieurwissenschaften).

Zöllner will die Hochschulen dazu bringen, mehr Migranten aufzunehmen. Daher will er eine Prämie von 10 000 Euro für jeden Studienanfänger mit Migrationshintergrund zahlen. Für Migranten, die ein Lehramtsstudium aufnehmen, gibt es sogar 25 000 Euro. Nach welchen Kriterien „Migrationshintergrund“ definiert wird, steht noch nicht fest. Zuschläge soll es zudem für Männer geben, die Grundschullehrer werden wollen.

In der Forschung werden die Universitäten für ihre Drittmittel und die besonders prestigeträchtigen Forschungsvorhaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) belohnt, genauso wie für ihre ausländischen Spitzenforscher. Für jeden eingeworbenen Euro, egal aus welcher Quelle, sollen die Unis vom Senat 45 Cent bekommen, schlägt Zöllners Verwaltung vor. Für einen Sonderforschungsbereich könnte der Senat zusätzlich eine Million Euro zahlen, für ein Cluster aus der Exzellenzinitiative 2,5 Millionen, für eine Graduiertenschule 500 000 Euro. Auffällig ist, dass der Elite-Status nicht zusätzlich belohnt wird. Offensichtlich versucht der Senat hier, die Unterschiede zwischen FU, HU und TU nicht allzu groß werden zu lassen. Dafür spricht auch, dass die Sprecherrolle in einem DFG-Projekt offenbar nicht belohnt werden soll. Der Vorschlag sieht vor, die Prämie unter allen Hochschulen zu verteilen, deren Professoren in das Projekt involviert sind.

Für die forschungsschwächeren Fach- und Kunsthochschulen hat Zöllner gesonderte Prämien aufgestellt: FHs bekommen Geld für Kooperationen mit regionalen Firmen, die Kunsthochschulen für „Veranstaltungen mit hohem künstlerischen Wert und hoher Öffentlichkeitswirksamkeit“. Belohnt werden alle Hochschulen, wenn sie Professuren mit Frauen besetzen.

Im Jahr 2012, wenn das Preismodell zum ersten Mal greift, könnten die Hochschulen bei unveränderten Leistungen in Lehre und Forschung etwas mehr Geld als in diesem Jahr erhalten, hat Zöllners Verwaltung ausgerechnet. Für die FU würde sich der Zuschuss von 272 Millionen Euro auf 285 Millionen Euro erhöhen, für die HU auf 203 Millionen Euro (plus zehn Millionen), für die TU auf 266 Millionen Euro (plus zwölf Millionen).

Wie sich das Modell im gleichen Jahr auf sinkende oder steigende Leistungen auswirken würde, geht aus dem Entwurf nicht hervor. Stattdessen gibt es eine Berechnung für den Fall, dass jede Uni im Jahr 2013 nochmals zehn Prozent mehr Drittmittel einwirbt. Dann bekäme jede Uni nochmals fünf Millionen Euro zusätzlich. Allerdings gibt es in den Hochschulverträgen eine Grenze, unter die die Hochschulen bei nachlassenden Leistungen nicht fallen sollen. Sie liegt bei fünf Prozent der im Jahr 2010 erreichten Summen.

Wie den Hochschulen der Vorschlag gefällt, war am Mittwoch nicht zu ergründen. Die Leitungen wollten sich nicht äußern, bevor sie am heutigen Donnerstag mit der Senatsverwaltung Verständnisfragen geklärt haben. Michael Heine, der Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), sagte lediglich, er erwarte, dass Risiken durch Leistungsschwankungen – etwa wegen sinkender Studierendenzahlen in bestimmten Bereichen – abgefedert würden. Anja Kühne/Tilmann Warnecke

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