Unis in Brandenburg : Kunst bleibt in Potsdam

Die Präsidentin der Universität Potsdam, Sabine Kunst, hat bei der Rektorenwahl an der Uni Leipzig eine deutliche Niederlage erlitten. Immerhin hat sie mit ihrer Kandidatur etwas für die politische Kultur an den deutschen Hochschulen getan.

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Philosophin und Ingenieurin. Präsidentin Kunst ist eine vielseitige Forscherin.
Philosophin und Ingenieurin. Präsidentin Kunst ist eine vielseitige Forscherin.Foto: promo

Sabine Kunst verlor gegen die Osnabrücker Medizinerin Beate Schücking am Dienstag bereits im ersten Wahlgang. Kunst erhielt 16 von 79 abgegebenen Stimmen des Wahlgremiums, während Schücking mit 49 Stimmen auf Anhieb die absolute Mehrheit schaffte.

Dem Renommee nach war Kunst die Favoritin. Sie leitet eine große Universität, Schücking war nur Vizepräsidentin an der Uni Osnabrück. Kunst führt seit dem Sommer auch ehrenamtlich den Deutschen Akademischen Austauschdienst. In Leipzig war gestern zu hören, Schücking sei bei der Präsentation der Kandidatinnen überzeugender aufgetreten. Kunst sagte dem Tagesspiegel direkt nach der Wahl, sie habe den Leipzigern „konzeptionell das Beste“ angeboten. Ihre Pläne seien aber möglicherweise der Mehrheit als zu weitgehend erschienen.

Wie geht es jetzt an der Uni Potsdam weiter, mit mehr als 20 000 Studierenden die größte Uni Brandenburgs? Kunst ist noch bis Ende 2012 gewählt. Dass sich eine amtierende Präsidentin auf eine Kampfkandidatur um die Leitung einer anderen Uni einlässt, ist sehr ungewöhnlich. Zu groß ist bei den meisten Leitungskräften die Angst vor dem Gesichtsverlust, sollten sie die Wahl an der neuen Uni verlieren. Wird Kunst jetzt also in Potsdam zu einer „lame duck“, muss sie zurücktreten? Oder sind die Potsdamer im Gegenteil froh, ihre als kompetent geltende Präsidentin zu behalten? Jedenfalls hat Kunst mit ihrer Kandidatur etwas für die politische Kultur an den Hochschulen getan, indem sie den Mut für ein offenes Rennen aufgebracht hat.

Kunst selbst sagte, sie „freue sich, in Potsdam bleiben zu können“. Vor der Wahl hätten ihr viele Uni-Mitglieder gesagt, „unabhängig vom Wahlergebnis“ wünschten sie sich, dass sie in Potsdam bleibe. Das habe sie „sehr gerührt“. Sie gehe daher davon aus, dass es keine Diskussionen um ihre Person geben werde. „Ich hoffe, dass wir Potsdam weiterhin gemeinsam so positiv wie bisher entwickeln können.“ Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Johann Hafner, sagte auf Anfrage, die Dekane hätten sich vor der Wahl in einer Solidaritätserklärung für einen Verbleib Kunsts in Potsdam ausgesprochen. Er sehe keinen Grund, davon jetzt abzurücken. Kunst agiere als Präsidentin „sehr geschickt“.

Kunst wurde in Potsdam im Juli 2006 zur Präsidentin gewählt. Als Ingenieurin, Biologin, Philosophin und Politologin ist sie eine vielseitige Forscherin. Als Wissenschaftsmanagerin konnte sie für ihre Hochschule mehrere Erfolge verbuchen. So setzte sich die Uni im Lehrwettbewerb des Stifterverbands durch. In der Forschung sammeln die Potsdamer mehr Drittmittel als früher ein. Jüngst gewann die Uni eine der renommierten Humboldt-Professuren.

Warum zog es sie dennoch weg? Eine Rolle dürften die Sparpläne Brandenburgs spielen. Unlängst forderte das Land 4,5 Millionen Euro aus den Uni-Rücklagen zurück. Kunst bekräftigte nach der Wahl, die Bedingungen in Brandenburg seien „schwierig“. Darum habe sie die Kandidatur an einer „so renommierten Universität wie Leipzig“ gereizt. Womöglich könnten auch interne Widerstände eine Rolle gespielt haben, auch wenn Kunst das verneinte. So wollte Kunst den Bachelor überarbeiten und flächendeckend vierjährige Programme anbieten. Studierende sollten so Zeit für einen Auslandsaufenthalt gewinnen. Doch noch läuft das Modell nur in zwei Fächern. Weiter wollten die Professoren nicht gehen.

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