Universität der Künste : Kleider für Könige und Elfen

Den Körper entdecken: Die Kostümbildner schaffen eine zweite Haut

Kathrin Steuer

Wie soll ein König vor Macht strotzend die Bühne durchschreiten, wenn der Schuh drückt? Wie sollen Elfen durch den Wald huschen, wenn die Gewänder zu steif sind? Solche Fragen stellen sich Theaterbesucher nicht. Aber sie sind ganz alltäglich für die jungen Kostümbildner der UdK.

„Den eigenen Körper kennen lernen, ihn verstehen – das ist ganz entscheidend“, erklärt die Leiterin des Studiengangs Bühnenkostüm, Florence von Gerkan. „Kostümbildner müssen wissen, wie sich das Getragene anfühlt, wie das Material fällt, sich formt und in der Bewegung verändert. Die Schauspieler müssen ja nachher in eine Rolle schlüpfen können und verwandeln sich vor allem auch durch die Gewänder in einen Charakter."

Die Entdeckung des Körpers beginnt damit, dass die Studenten ihren eigenen Torso in Gips formen. Danach wird ein Papier so über die Form gespannt, dass es wie eine zweite Haut sitzt – um diese dann wieder, in ganz individuellen Mustern, herunter zu schneiden. Diese Formen werden zweidimensional, auf Papier oder Folien, wieder zusammen gesetzt. Manche sind in grellen Farben coloriert, andere ganz zart oder Natur belassen. „Es gibt Momente, in denen man den eigenen Körper satt hat", meint eine Studentin lachend. Der letzte Schritt der Aufgabe ist, mit den eigenen Formen wieder eine neue „zweite Haut“ zu schaffen. Dabei können die Studenten Material, Farbe und Struktur selbst bestimmen.

„Gerade während des Studiums ist es wichtig zu experimentieren und Neues auszuprobieren“, so die Studiengangs-Leiterin. Der spielerische Umgang mit dem Material ist dabei genauso wichtig wie die kritische Auseinandersetzung danach. Da sitzen dann Studenten und Dozenten entspannt in einer Runde. Im Raum sind ihre Modepuppen verteilt. Einige sind mit fragilen Konstruktionen aus Draht behangen, mit knallgelben Plastikformen bedeckt oder einem Filzpanzer umhüllt, aus dem langsam Kresse wächst. Ein Beamer projiziert die Arbeiten der Studenten an die Wand. Es wird erklärt, diskutiert und gelacht.

Ausprobieren und Diskutieren – das ist die eine Seite des Studiengangs, die Sommerseite sozusagen. Im Winter wird es ruhiger, da ist man lieber mehr für sich. Zeit zu recherchieren, zu reflektieren und Inspirationen zu sammeln. „Das ist bewusst so gewählt“, erklärt von Gerkan. Diese Aufteilung erlaube es den Studenten sich intensiv auf eine Materie einzulassen und die neu gewonnen Ideen umzusetzen.

Die Studenten beschäftigen sich dabei mit den verschiedensten Kulturen, Epochen und Philosophien. Durch diese werden sie inspiriert, immer wieder neue Techniken auszuprobieren. Die Aufgabenstellungen lassen den Studenten viel Spielraum. Ein einfaches Tuch und die Aufforderung die eigene Vorstellungskraft einzusetzen, nicht viel mehr hatten die Studenten bei einem ihrer letzten Projekte als Richtlinien. In kürzester Zeit formten sich aus Tuch und Mensch, bedrohliche Gebilde, verängstigte Figuren oder beschützend anmutende Gestalten. Die einzelnen Arbeitsschritte und Resultate ihrer Projekte präsentieren die Studenten im Rahmen des UdK Rundgangs.

„Der Körper und seine Hülle“, Offene Bühnentage und Ausstellung, 19-21- Juli von 15-21 Uhr, UNI.T-Theater, Fasanenstraße 1B, Charlottenburg.

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