Universität der Künste : Tanzen auf Bachelor – an der UdK ist das möglich

Maike Schultz

Wirre Wortfetzen füllen das Tanzstudio im Podewil in Berlin-Mitte. Sie stammen von 20 Studenten, die paarweise Brecht, Camus oder feministische Sexualtheorien zitieren: Einer liest vor, der andere lauscht mit geschlossenen Augen. Die Stimmen mischen sich zu einem leisen Rauschen, zu dem die Zuhörer sich langsam bewegen. Synchron beugen beide Tanzpartner ihre Körper immer tiefer, bis schließlich Bücher und Studenten auf dem Boden liegen.

„Aufwärmübung mit Lesen“ heißt diese Lehrveranstaltung des Bachelorstudiengangs „Zeitgenössischer Tanz, Kontext, Choreographie“ des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz Berlin an der UdK Berlin. Kursleiter ist der französische Choreograph Boris Charmatz. Mit der Übung will er das Körpergefühl der Studenten stärken. Nur wenige von ihnen haben eine klassische Tanzausbildung hinter sich. Unter ihnen sind Landschaftsplaner, Soziologen oder Zirkusartisten aus Frankreich, Deutschland, Kroatien, Israel oder den USA.

Das Studium verbindet zeitgenössische Tanzpraxis mit einer universitären Ausbildung. Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz ist ein Beispiel für die künstlerische Vernetzung in der Stadt. So gehört zu den Trägern auch die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Ein Master ist in Planung: Für den im Wintersemester beginnenden Studiengang „Solo/Dance/Authorship“ werden voraussichtlich acht Bewerber ausgewählt.

Einzigartig macht das Studium der starke Bezug zur Praxis. Auch mit Blick auf die berufliche Zukunft der Studenten kooperiert das Tanzzentrum mit dem Künstler-Netzwerk TanzRaumBerlin. „Im Workshop der Choreographin Milli Bitterli beim Festival ‚Tanz im August’ ist die Hälfte der Plätze für unsere Studenten reserviert“, erzählt Eva-Maria Hoerster, Geschäftsführerin des Zentrums. Auch mit Sasha Waltz ist man im Gespräch. Die Berliner Tanzszene unterstützt das Zentrum – schließlich war sie es selbst, die den Impuls für dessen Gründung gab.

„Bis jetzt finde ich alle Seminare toll“, sagt Bachelor-Studentin Anna Till im Unterricht von Boris Charmatz. Die 24-jährige Kulturwissenschaftlerin trägt eine stützende Schiene am Bein, macht aber alle Übungen fleißig mit. „Man weiß hier nie, was als Nächstes passiert, aber gerade das gefällt mir.“ Ihr Lehrer Charmatz hat die besinnliche Literaturrunde inzwischen um eine komplizierte Aufgabe erweitert. „Stellt euch jetzt vor, ihr seid Fakire“, ruft er. Seine Worte treffen auch den ernsten Teil des Künstlerlebens: „Der Boden ist voller scharfer Scherben und ihr müsst euch jeden einzelnen Schritt genau überlegen“. Mit diesem Hinweis sind die Studenten sicher gut beraten. Maike Schultz

Beim Rundgang beantworten die Studierenden Fragen zum Studiengang. 20.-22. Juli, täglich 13-17 Uhr, Ruinengarten am UdK-Gebäude in der Hardenbergstraße.

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