Universität : Fälschern auf der Spur

Mit einem neuen Programm sollen Dozenten Plagiate schneller entdecken. Studenten, die beim Betrugsversuch erwischt werden, drohen schwere Konsequenzen.

Pablo Silalahi

Die Semesterferien gehen langsam zu Ende – und damit läuft für viele Studierende auch die Frist ab, binnen derer sie die Hausarbeiten aus dem alten Semester abgeben müssen. Wer nicht rechtzeitig fertig wird, könnte versucht sein, sich fehlende Teile aus dem Internet zu holen und als eigenes Werk auszugeben. Auf vielen Hausarbeitenbörsen können Arbeiten zu unzähligen Themen heruntergeladen werden. Aber potenzielle Fälscher seien gewarnt: Die Übernahme wissenschaftlicher Texte aus dem Internet gestaltet sich immer schwieriger.

Schon seit einigen Jahren gibt es Programme, die es Professoren und Dozenten ermöglichen, kopierte Passagen in einer Hausarbeit aufzudecken. Bislang waren diese Suchmaschinen von Studierenden allerdings noch leicht auszutricksen. Die Suchmaschinen konnten nämlich nur dann erfolgreich Plagiate entdecken, wenn Texte wörtlich übernommen wurden. Wer sich die Mühe machte und Texte ein bisschen umformulierte, wurde in der Regel nicht erwischt.

Suche per "Fingerabdruck"

Nun sind drei Wissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar noch einen Schritt weiter gegangen – und haben einen Internetdienst entwickelt, der Textplagiate auch dann erkennen soll, „wenn der Schreibstil ein anderer ist oder einzelne Wörter ausgetauscht sind“, wie der Chef des Projekts, Benno Stein, erläutert. Die Software gleicht dazu einen verdächtigen Text mit im Internet verfügbaren Quellen ab. Hierzu wird ein neues System verwendet, dass wissenschaftliche Dokumente auf einen „Fingerabdruck“ reduzieren soll, der nur noch aus wenigen Zahlen besteht. Damit kann man möglichst schnell Fälschungen aufdecken, ein Vergleich der verschiedenen „Fingerabdrücke“ würde genügen. Auch soll der Schreibstil des Autors analysiert werden, um Dozenten auf auffällige Stilwechsel hinzuweisen. Die Forscher wollen das Programm so gestalten, dass zulässige Zitate – die Bestandteil jeder wissenschaftlichen Arbeit sind – nicht aus Versehen gleichfalls als plagiierte Stellen angezeigt werden.

Dozenten werden das neue Programm wohl aber erst im kommenden Semester einsetzen können: Das Weimarer Projekt mit dem Namen Picapica.net befindet sich derzeit noch in der Versuchsphase. Stein ist aber optimistisch, „dass der Prototyp schon innerhalb der nächsten Monate im Netz verfügbar ist“.

Auch wenn das Programm technisch Fälschern leichter auf die Spur kommen sollte, bleibt die Frage, wie ein aufgedeckter Fall behandelt werden soll. Wie Hochschulen mit Plagiaten umgehen, regeln die Hochschulgesetze der Länder. Die Strafen sind teilweise drastisch. In Nordrhein-Westfalen müssen ertappte Fälscher bis zu 50.000 Euro zahlen. In Bochum wurde einer Soziologie-Studentin wegen eines Plagiats nachträglich das Diplom aberkannt. Eine Geschichtsstudentin, die ihre Bachelor-Arbeit aus zwei heruntergeladenen Texten zusammengesetzt hatte, wurde exmatrikuliert – ohne Bachelor.

Eine Demoversion von Picapica.net kann man bereits finden unter:

www.picapica.net

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