Universität : Kommt die Super-Uni für Berlin?

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner will eine internationale Spitzenforschungs-Universität neuen Typs etablieren. Damit konkretisierte er erstmals seine Vorstellung für die Berliner Spitzenwissenschaft, nachdem er im Juni einen Masterplan angekündigt hatte.

Ulrike von Leszczynski[dpa]
Zöllner
Zufrieden: Bildungssenator Zöllner (links) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (rechts) auf der Pressekonferenz zum...Foto: dpa

BerlinBerlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) gönnt seinen großen Universitäten keine Feierpause. Die vielen Millionen aus der Exzellenzinitiative, die nun in die Hauptstadt fließen, reichen ihm nicht. Zöllner greift nach neuen Sternen und forciert eine internationale Spitzenforschungs-Universität in Berlin, die er als Vorbild für Deutschland versteht. 200 Jahre nach Humboldt soll seine "Superuni" die Trennung zwischen Hochschul- und außeruniversitärer Forschung überwinden. Es soll in Richtung Oxford gehen - oder Harvard.

"Ein Qualitätssprung der deutschen Wissenschaft"

Der erfahrene Wissenschaftler und Bildungspolitiker Zöllner spricht von Ehrgeiz, vom "Mut, neu zu denken" und von einem Qualitätssprung der deutschen Wissenschaft. Seine Ziele sind hochgesteckt. Wenn es um Fußball ginge, verlangte Zöllner nicht weniger als eine komplette Nationalmannschaft für Berlin. Die Zeichen stehen gut. Lange nicht mehr war die politische und gesellschaftliche Stimmung der Wissenschaft so zugeneigt.

Es gibt den Hochschulpakt und die Exzellenzinitiative auf Bundesebene, dazu kam im Juni überraschend der Masterplan für die Berliner Wissenschaft. Er bietet nach Jahren des Sparkurses plötzlich Perspektiven: 300 Millionen Euro mehr für die Berliner Hochschulen und Forschungsstätten bis zum Jahr 2011.

Was die deutsche Spitzenforschung braucht, gleicht nach Zöllners Meinung in den bestehenden Institutionen der Quadratur des Kreises. An den Unis bleibt trotz der Exzellenzinitiative der Spagat: Breite oder Spitze? An den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft oder Helmholtz-Gemeinschaft arbeitet die Crème de la Crème der deutschen Forschung. Doch sie und die Universitäten stehen noch immer wie Säulen nebeneinander, Kooperationen hängen an Zufälligkeiten.

Exzellente Arbeitsbedingungen für exzellente Studierende

Aus diesem Nebeneinander will Zöllner ein gezieltes Miteinander machen. Seine "Superuni", die "International Forum of Advanced Studies" oder "International Free Humboldt Forum" heißen könnte, soll eine Art Schmelztiegel für die Spitzenwissenschaft werden. Es soll eine Institution, Stiftung oder GmbH entstehen, an der sich Top- Wissenschaftler aus Berlin und aus dem Ausland gezielt treffen. Sie sollen aus Universitäten und aus außeruniversitären Einrichtungen kommen. Zöllner spricht von exquisiten Arbeitsbedingungen, teuren Berufungen und von Promotionen. Und dennoch blieben die Forscher ihren Mutterhäusern weiter verbunden. Ein Clou am Konstrukt ist die Selbstbestimmung der Wissenschaft, die ihre Forschungsschwerpunkte selbst festlegt. "Die Politik soll loslassen", fordert Zöllner.

Finanziert würde der erste Ausbau der Hochschule neuen Typs mit 100 Professoren und 500 Postgraduierten aus dem Berliner Masterplan, über Bundesmittel und aus dem Topf des Stifterverbandes. Bis zu 33 Millionen Euro kämen so nach Zöllners Rechnung jährlich bis 2011 zusammen. Er hofft auch auf Zuwendungen aus der Wirtschaft. Die Basis an Unis und Instituten sei vorhanden. Nur Zusatzleistungen würden zu Buche schlagen; zum Beispiel für Professoren, die in Nebentätigkeit an der Spitzen-Uni arbeiten oder für Gastwissenschaftler-Aufenthalte.

Rückenwind bekommt Zöllner von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Bündelung der Spitzenforschung sei "wichtig und richtig". Sie spricht von einer "Modernisierung des deutschen Wissenschaftssystems". Manche sehen in Zöllners Vorstoß auch eine Palastrevolte - in den heiligen Hallen der Berliner Universitäten ebenso wie im Roten Rathaus. Dieter Lenzen, der Präsident der Freien Universität Berlin, die gerade erst den Elitestatus gewann, hat dem Konzept bereits widersprochen, die CDU- Opposition schließt sich an. Doch der Senator stürmt weiter voran: Bis Ende 2007 will er eine "grundsätzliche Einigung mit den Partnern".

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