Universität : Lübeck als Modell?

Hochschulrektoren befürchten Schließung ganzer Hochschulen in finanzschwachen Ländern. Die geplante Schließung des Medizinstudiengangs an der Uni Lübeck sei eine Provokation.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sieht die geplante Schließung des Medizinstudiengangs an der Uni Lübeck als „Provokation“. Dass Schleswig-Holstein der Hochschule den Löwenanteil des Sparpakets auferlegt und ihre Existenz damit insgesamt infrage stellt, sei „unverantwortlich“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel am Montagabend in Berlin.

Die Rektoren befürchten, dass Lübeck für finanzschwache Länder auch im Osten Deutschlands ein Modell werden könnte, um per Handstreich große Einsparungen zu bewerkstelligen. „Lübeck kann bald überall sein“, sagt Klaus Erich Pollmann, Präsident der Uni Magdeburg. Sollte es nach dem Ende des Studentenhochs ab 2020 zu „Konzentrationen“ kommen, müsse es um Qualität und Leistung gehen, sagte Wintermantel. Es sei beunruhigend, dass eine in Forschung und Lehre überaus erfolgreiche Uni wie Lübeck sich schon heute nicht mehr auf diese Maxime verlassen könne. Mit Blick auf den Bildungsgipfel am morgigen Donnerstag (siehe Artikel oben) hieß es, in den Ländern gebe es „eine bedrohliche Tendenz, sich aus Programmen, die mit dem Bund verabredet wurden, zurückzuziehen“. Die Rektoren seien „Fans vom Bund“, der ihren Universitäten mit Förderprogrammen wie der Exzellenzinitiative oder dem Hochschulpakt große Zuwächse bei den Drittmitteln beschert, sähen aber die Entwicklung in den Ländern mit Sorge.

Der Anteil der Grundfinanzierung in den Hochschuletats, die aus den Länderhaushalten kommt, sei seit dem Jahr 2000 von 59 Prozent auf 50 Prozent gesunken, sagte Wintermantel. Damit fehle die Planungssicherheit etwa beim Personal. Hochschulbildung sei eine gesamtstaatliche Aufgabe, betonte Wintermantel und erneuerte ihre Forderung, die Föderalismusreform zu revidieren. -ry

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