Universität Mainz ehrt 44. US-Präsidenten : Obamas deutsches Institut

Die Mainzer Amerikanisten gründen das "Obama Institute for Transnational American Studies" - im Geist von Obamas weltoffener Konzeption für die USA.

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Ex-US-Präsident Barack Obama steht lächelnd vor einer amerikanischen Flagge.
Barack Obama hat schon früh sein Einverständnis gegeben, Namenspatron des Mainzer Instituts für amerikanistische Studien zu sein.Foto: REUTERS/Jonathan Ernst

Zur Gründungsfeier des Instituts für transnationale Amerika-Studien, das nach ihm benannt ist, ist Barack Obama am gestrigen Donnerstag nicht an die Universität Mainz gekommen. Doch seinen Segen zur Namensgebung habe er noch als 44. Präsident der Vereinigten Staaten gegeben, sagt der Sprecher des Obama Institute für Transnational American Studies, der Literaturwissenschaftler Alfred Hornung. „Der Präsident hat mitteilen lassen, dass ihn die Namensgebung ehrt.“

Thema ist die Rolle der USA in einer sich wandelnden Welt

Schon 2012 sei man über den damaligen US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, an das Weiße Haus herangetreten. Seitdem arbeitet Hornung gemeinsam mit mittlerweile rund 50 Kolleginnen und Kollegen aus der Kultur- und Geschichtswissenschaft und aus Fachgebieten wie Recht, Wirtschaft, Religion und Medizin an der interdisziplinären Forschungsplattform, die gestern offiziell als „Obama Institute“ gegründet wurde. Die Plattform soll die Rolle der USA in einer sich wandelnden Welt aus den Blickwinkeln der beteiligten Fächer untersuchen.

Die Forschung am Obama Institute sei „richtungsweisend für die Neudefinition von Area Studies und Kulturwissenschaften im 21. Jahrhundert“, teilt die Universität mit. Sie beschränke amerikanistische Forschung nicht länger auf die Nationengrenzen der USA, sondern untersuche kulturelle Austauschprozesse und Wechselwirkungen etwa infolge globaler Migrationen und Flüchtlingsbewegungen, heißt es.

Das Ende der weißen Dominanz

Drei turbulente Wochen nach dem Ausscheiden Obamas aus dem Präsidentenamt und der Inauguration Donald Trumps sieht Institutssprecher Hornung die Namensgebung auch als Statement gegen die neue Politik der Abschottung. Für Offenheit stehe Barack Obama schon mit seiner Biografie – der Geburt als Kind eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin auf Hawaii und dem zeitweisen Aufwachsen in Indonesien.

Seine Wahl als erster nicht weißer Präsident der USA habe zudem einen grundlegenden Kulturwandel in der US-amerikanischen Gesellschaft – das Ende der weißen Dominanz – bestätigt. Die Forschungsplattform solle in Lehre und Forschung Obamas Konzeption „eines multiethnischen, weltoffenen und liberale Werte international vertretenden Landes vermitteln“, erklärt Hornung.

Gemeint ist die ganze Familie - auch Michelle und Auma Obama

Bewusst sei die Namensgebung aber nicht als „Barack Obama Institute“ erfolgt. Gemeint sei vielmehr die ganze Familie: Richtungsweisend seien etwa Michelle Obamas Ernährungs- und Bildungs-Kampagne „Let’s move“ für amerikanische Schülerinnen und Schüler sowie das Wirken von Obamas Schwester, der kenianischen Germanistin, Soziologin und Autorin Auma Obama. Sie hat 2014 bereits an einer vorbereitenden Konferenz in Mainz teilgenommen.

Der Namensgeber soll demnächst nach Mainz eingeladen werden

Einige Vorhaben arbeiten auch mit Publikationen der Obamas, etwa ein Projekt zum autobiografischen Schreiben, sagt Hornung. Andere Forschungen des Instituts sind etwa frühen amerikanischen Kurzgeschichten oder „Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung“ gewidmet. Gastwissenschaftler aus den USA werden mit einer Obama Fellowship eingebunden. Auch den ehemaligen Präsidenten selber will Alfred Hornung demnächst einladen – an „sein“ Institut nach Mainz.

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