Universität : Vize verlässt HU

Das Präsidium der Humboldt-Universität steht wieder vor einem Wechsel. Hans Jürgen Prömel, Vizepräsident für Forschung an der HU, wird neuer Präsident der TU Darmstadt.

Prömel
Neuer Präsident der TU Darmstadt Hans Jürgen Prömel. -Foto: promo

Das Präsidium der Humboldt-Universität (HU) steht wieder vor einem Wechsel. Hans Jürgen Prömel, an der HU Vizepräsident für Forschung, wird Präsident der TU Darmstadt. Die Uni wählte Prömel am Mittwoch im dritten Wahlgang mit 37 Stimmen. Gegenkandidat des 53-jährigen Mathematikers war der bisherige Vizepräsident der TU Darmstadt, Johannes Buchmann. Der 53-jährige Informatiker, der die TU Darmstadt seit März kommissarisch leitet, erhielt 18 Stimmen. Zwei der 57 anwesenden Stimmberechtigten enthielten sich. In den zwei ersten Wahlgängen hatte Prömel die nötige Mehrheit von 31 Stimmen erst um drei und dann um zwei Stimmen verfehlt. Wann Prömel antritt, steht noch nicht fest.

Da Prömel die HU verlässt, muss sie im kommenden Semester wohl zwei ihrer drei Vizepräsidenten neu wählen. Denn es verdichten sich die Hinweise, dass der schwer erkrankte Vizepräsident für Studium und Internationales, Stefan Matuschek, nicht in sein Amt zurückkehren wird. Am Dienstag gab HU-Präsident Christoph Markschies im Akademischen Senat (AS) bekannt, bis zum 31. August werde feststehen, ob Matuschek zurückkehre. Sollte dies nicht der Fall sein, werde der Agrarwissenschaftler Uwe Jens Nagel im Herbst für das Amt kandidieren. Bislang hatte der 64-jährige Nagel, der Matuschek seit Monaten vertritt, eine Kandidatur ausgeschlossen. Die Uni brauche „Kontinuität“, sagte Nagel nun auf Anfrage.

HU-Präsident Markschies gratulierte Prömel „zu der großen Ehre, zum Präsidenten einer der führenden Technischen Reformuniversitäten gewählt worden zu sein“. Die ganze Humboldt-Universität werde ihn „sehr vermissen“.

Im Präsidium der HU hat es in den letzten Monaten mehrfach Veränderungen gegeben. Im September trat Susanne Baer, Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien, als Vizepräsidentin für Studium und Internationales wegen Konflikten mit HU-Präsident Christoph Markschies zurück: Es gebe „nicht aufzulösende Differenzen“ in der Uni-Leitung, teilte Baer mit. Ihr im April angetretener Nachfolger, der Jenaer Germanist Stefan Matuschek, erkrankte wenige Wochen später schwer. Der Kuratoriumsvorsitzende Günter Stock sah die HU deshalb „in einer äußerst komplizierten Situation“, wie er im Juni im AS sagte. Am Mittwoch wurde nach dem Bekanntwerden der Pläne Prömels an der Humboldt-Universität darüber spekuliert, ob die erneute Unruhe im Präsidium der Uni im Elitewettbewerb schaden könne, in dessen Finale die Hochschule steht.

Prömel wurden seit längerem Ambitionen auf ein Präsidentenamt nachgesagt. So habe der Vizepräsident sich im Herbst 2006 für die Position an der Uni Mainz interessiert. Er sei dann aber nicht angetreten, weil es Gegenkandidaten gegeben habe. Es sei nachvollziehbar, dass Prömel, seit sieben Jahren Vizepräsident der HU, nun einen Präsidentenposten anstrebe, sagten Uni-Angehörige dem Tagesspiegel. Allerdings gebe es zwischen Prömel und Markschies seit längerem „Irritationen“. Der Präsident habe mehrfach Prömels Ressortzuständigkeiten nicht respektiert. Das hatten HU-Angehörige dem Präsidenten auch schon nach dem Rücktritt der Vizepräsidentin Baer vorgeworfen. Prömel war am Mittwoch für den Tagesspiegel nicht zu erreichen. Markschies wollte sich nicht äußern.

Die TU Darmstadt hat 270 Professoren und 16 500 Studierende. Der Reformuni wurde vom Land Hessen vor zwei Jahren eine weitgehende Autonomie eingeräumt. Seit Monaten befindet sich die TU jedoch in einer Führungskrise. Ende letzten Jahres verkündete der langjährige und beliebte Präsident Johann-Dietrich Wörner, dass er zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wechseln werde. Seitdem wird unter großen Querelen ein Nachfolger gesucht. Eigentlich wollte der für die Kandidatenauswahl zuständige neunköpfige Hochschulrat dafür sorgen, dass zum Ausscheiden Wörners Ende Februar ein neuer Präsident gewählt werden kann, heißt es aus der Uni.

Doch daraus wurde nichts. Eine erste Wahl scheiterte im Mai: Zwei externe Kandidaten von der ETH Zürich und der Uni Graz zogen ihre Bewerbungen zurück, nachdem es aus der Uni heftige Kritik an der Auswahl gab. Der übrig gebliebene hausinterne Bewerber – ein Professor für Elektrotechnik – erhielt in keinem von vier Wahlgängen mehr als 21 von 61 Stimmen. Der Hochschulrat habe bei der Kandidatensuche versagt, heißt es aus der Universität. Es sei von vornherein klar gewesen, dass keiner der Kandidaten in der Universammlung eine Mehrheit finden könne. Die Gremien seien bei der Auswahl ignoriert worden. Das Präsidentenamt musste daraufhin neu ausgeschrieben werden. Mit den Kandidaten Prömel und Buchmann habe der Hochschulrat sichergehen wollen, dass die Wahl klappt, heißt es. Denn bei einem erneuten Scheitern hätte auch der Hochschulrat der TU Darmstadt zur Disposition gestanden. akü, -ry, tiw

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